Tour Nr 28 - Leine/Unstrut 2021

Start: Göttingen
Ziel: Naumburg/Saale
Gefahrene Km: 320
Etappenorte: Dingelstädt, Herbsleben, Roßleben

2021 Leine Unstrut Plan 900px 

Die Radfahrer des TUS Vollnkirchen waren wieder auf einer 4-tägigen Radwanderung unterwegs. Die 28. Auflage führte über 320km von Göttingen zunächst flussaufwärts zur Leinequelle bei Leinefelde und dann weiter entlang der Unstrut von der Quelle bei Dingelstädt-Kefferhausen bis zur Mündung in die Saale bei Naumburg. Sehenswerte Städte wie Mühlhausen, Bad Langensalza oder Sömmerda lagen auf der Route und boten eine willkommene Abwechslung. Leider spielte das Wetter nicht mit, kühle Temperaturen und Regenschauer waren ein ständiger Begleiter. Vor allem auf der letzten Etappe trübte Dauerregen den Blick für die reizvolle Landschaft mit Sandsteinfelsen und Weinbergen. Auch eine Besichtigung der UNESCO Welterbestadt Naumburg fiel buchstäblich ins Wasser.

 

 

 

Tour Nr 28: Leine/Unstrut 2021

Start: Göttingen

Ziel: Naumburg/Saale

Gefahrene Km: 320

Etappenorte: Dingelstädt, Herbsleben, Roßleben

Teilnehmer:

2021 Leine Unstrut 900px 

v.l.:  Clemens Ruppert, Jürgen Friedrich, Oswald Hölß, Klaus Friedrich, Thomas Ulm, Mathias Rauschenberg, Edwin Burda, Stefan Holster

 

1. Etappe Göttingen-Dingelstädt

Nach dem unbeständigen Wetter der letzten Tage und Wochen prophezeite Jürgen uns beim Treffpunkt zur Abfahrt mit Blick in den Himmel ein Traumwetter ….. So ganz sollte er nicht Recht behalten, aber immerhin war seine Vorhersage für den ersten Tag deutlich besser als die der Wetter-App. Dass wir trocken am Bahnhof in Gießen ankamen war schon ein kleiner Erfolg. Mit dabei waren auch der obligatorische Eimer mit heißer Fleischwurst und ein 5-L Fäßchen Bier für das Frühstück im Zug. Früher wären wir damit gerade mal bis Frankfurt gekommen…. Durch eine kurzfristige Absage waren wir aber dezimiert und die Anreise in diesem Jahr auch vergleichsweise kurz.

Am Startpunkt in Göttingen trafen wir Mathias, den letzten Mitfahrer im Bunde. Wetterfrosch Jürgen sorgte auch dafür, dass der Regenschauer vor unserer Ankunft niederging und wir die Tour bei strahlendem Sonnenschein beginnen konnten. Die startete mit einer Runde durch Göttingens Altstadt mit kurzem Stopp auf dem Markplatz, wo wir die Gänseliesel, das „meistgeküsste Mädchen der Welt“, besuchten.

Auf dem Leineradweg angekommen wurde es schon kurz hinter der südniedersächsischen Metropole und quirligen Studentenstadt wieder sehr ländlich. Nach dem Grenzdurchgangslager Friedland, von wo aus über 4 Millionen Vertriebene, heimkehrende Soldaten und Kriegsflüchtlinge bis heute eine neue Heimat fanden, erreichen wir das Dreiländereck Thüringen, Hessen und Niedersachsen. Fast unbemerkt passierten wir die Grenze, wo ab 1945 die sowjetische, die amerikanische und die britische Besatzungszone zusammenstießen. Hier änderte sich auch die Landschaft, anstelle des breiten Leinetalgrabens wartete ein welliges Hochland mit engen Tälern und Schluchten auf: das Eichsfeld.

In Thüringen ließ auch Jürgens Einfluss auf das Wetter merklich nach. Ab Bad Heiligenstadt fielen die ersten Tropfen vom Himmel. Da noch einige Kilometer zu fahren waren, der Kaffeedurst noch nicht sehr ausgeprägt war, entschieden wir uns fürs Weiterfahren und die Altstadt von Bad Heiligenstadt links (bzw. rechts) liegen zu lassen.

Kurz vor Leinefelde mussten wir eine Zwangspause einlegen. Stefan hatte den Proviantsack mit den Zusatz-Bierbüchsen in ner Baustelle in Göttingen vom Gepäckträger geschleudert. Nun kam es zur Materialermüdung und Bier tropfte über seine Gepäcktaschen. Das Problem musste beseitigt werden, und so gab es erstmal eine Runde Licher für alle …..

In Leinefelde zweigten wir zur Leinequelle ab, die an der ausgewiesenen Stelle aber schon ein beträchtlicher Bachlauf war. So ganz verstanden haben wir diese Definition von Quelle nicht…. In Leinefelde machte sich auch Kaffeedurst breit und so wurde das nächstgelegene Cafe angesteuert. Während wir es uns gut gehen ließen, verlor Jürgen den Draht zu Petrus komplett. Es begann zu regnen.

Da wir auf Jürgens Prophezeiungen nun nicht mehr bauen konnten, waren Wetter-App und Regen-Radar zu unseren wichtigsten Begleitern geworden. 1 ½ Stunden und eine weitere Runde Kaffee später gaben die grünes Licht für die Weiterfahrt. Da es noch ganz leicht nieselte wurde für die letzten 10km sicherheitshalber nochmal die wetterfeste Kleidung ausgepackt. Das war auch gut so, denn knapp einen Kilometer später prasselte ein Platzregen vom Feinsten auf uns nieder. Gut, dass mitten im freien Feld eine neugebaute Brücke auftauchte, unter der wir uns unterstellen konnten. Nun war nur noch eine Bergwertung zu absolvieren und nach 86km (inklusive der Anfahrt zum Gießener Bahnhof) und 536 Höhenmetern erreichten wir das Etappenziel Dingelstädt.

 

2. Etappe Dingelstädt-Herbsleben

Über Nacht hatte es ordentlich geregnet. Wetter-App und Regenradar waren auch heute wieder unsere wichtigsten Helfer und wurden schon zum Frühstück eifrig zur Wetteranalyse genutzt. Immerhin gab es ein Fenster bis 11:00 Uhr in dem es trocken bleiben sollte. Dafür herrschten beim Start um 9:00 Uhr Temperaturen im unteren 2-stelligen Bereich. Da kam es uns ganz gelegen, dass es die ersten 4km zur Quelle im Ortsteil Kefferhausen bergauf ging. Nach einem Gruppenfoto rollten wir wieder zurück nach Dingelstädt und weiter, meist nah an der Unstrut entlang, durch eine idyllische Flusslandschaft. In Mühlhausen nutzen wir einen Stadtrundgang für eine Kaffeepause. Ein Gewirr an mittelalterlichen Straßen und Gässchen, mit dekorativen Bürgerhäusern und herausgeputzten Fachwerkhäusern, umgeben von einer Stadtmauer mit Wehtürmen, prägen die Altstadt. Gekrönt wird das Ensemble von der Marienkirche in der Oberstadt, Thüringens größter Kirche nach dem Erfurter Dom, die in der Zeit der Bauernkriege eine wichtige Rolle spielte, als der radikale Reformator Thomas Müntzer hier Pfarrer war. Vorbei an der gotischen Hallenkirche Divi Blasii, in der Johann Sebastian Bach einst Organist war, ging es wieder an die Unstrut. Gegen 13:00 begann es zu nieseln, was wir aber als Erfolg werteten: 2 Stunden später als die App voraussagte. Nun war es auch nicht mehr allzu weit nach Bad Langensalza, das sich für eine Mittagspause anbot. Ein Stück entlang einer alten Kleinbahntrasse führte uns in die historische Altstadt. Unter großen Schirmen vor dem Rathaus sitzend und eingehüllt in Kolder schauten wir dem Regen zu.

Pünktlich zur Weiterfahrt klarte es auf und sogar die Sonne ließ sich wieder blicken. Beste Bedingungen also für die letzten 15 Tageskilometer. Vorbei am Frederikenschlösschen, Witwensitz der Herzogin Friederike von Sachsen-Weißenfels (1715-1775), sollte es wieder an die Unstrut gehen. Doch am Ende des angrenzenden Parks blockierte ein Gitter des engen Fußgängerdurchlasses die Weiterfahrt, zumindest für die, die während der Mittagspause zu viel gegessen hatten und für einen Umweg zurückfahren mussten.

Zwischen Nägelstädt und Großvargula haben wir den schönsten Streckenabschnitt durchfahren. Durch das malerische Naturschutzgebiet Unstruttal windet sich ein enges Tal entlang des Flusses durch Obstwiesen, eingerahmt von früheren Weinbergen.

5 Kilometer vor dem Etappenziel gab es nochmal einen Regenschauer, aber diesmal konnten wir uns auf den Regenradar verlassen und nach 5-minütiger Pause in einem trockenen Wäldchen weiterfahren. Um 16:20 Uhr sind wir nach 75,5km und 329 Höhenmetern in Herbsleben angekommen. Viel zu früh wie sich rausstellte, denn das Hotel war verschlossen. Zum Glück waren die Zimmerschlüssel in einem Schlüsselsafe deponiert.

 

3. Etappe: Herbsleben – Rossleben

Die dritte Etappe war die einzige ohne nennenswerte Schlechtwetterereignisse. Die Regensachen konnten wir in den Satteltaschen lassen. An riesigen Feldern mit tiefschwarzer Erde führte uns der Radweg weiter flussabwärts. Oft fuhren wir auch etwas erhöht auf einem Hochwasserdeich und hatten dabei eine gute Aussicht auf die Landschaft. Nur bei der ein oder anderen Ortsdurchfahrt wurden wir auf grobem Kopfsteinpflaster heftig durchgerüttelt. Am späten Vormittag war die Kreisstadt Sömmerda erreicht, Zeit für eine Kaffeepause. Ehe wir den einnehmen konnten, musste aber erst noch Mathias Reifen geflickt werden. Ein Miniloch führte zu schleichendem Luftverlust.

Über einen kleinen Nebenfluss der Unstrut erreichten wir bei Gorsleben wieder das breite Unstruttal. Unter einer 12-Bogenbrücke hindurch und vorbei an zwei Burgruinen fuhren wir durch die „Thüringer Pforte“. Bei Heldrungen machte sich Hunger breit. Aber im Dorf hatte keine Gastronomie geöffnet. Auch das Wasserschloss hatte geschlossen und war von außen eher enttäuschend, da man die Festungsanlage mit sternförmigen Bastionen, Wällen und Wassergräben nicht in Gänze überblicken konnte. So blieb uns nichts Anderes übrig als die nächste Einkehrmöglichkeit zu nehmen. Die fanden wir erst einige Kilometer weiter in Artern, gerade noch rechtzeitig ehe die Küche zumachte. Von hier aus war es auch nicht mehr weit ins Etappenziel Rossleben, das wir nach 83 km und 219 Höhenmetern erreichten.

 

4. Etappe: Rossleben-Naumburg

Eigentlich hätten wir uns an diesem Tag Wetter-Apps und Regen-Radar sparen können. Schon der Blick aus dem Fenster beim Frühstück zeigte an was heute unseren Tag bestimmen würde: Regen! Mathias, dessen Wetter-App als einzige keinen Regen prognostizierte, wollte sämtliche Apps gleich deinstallieren.

Immerhin war so schon zu Beginn der Etappe die Kleiderfrage beantwortet: Regenjacke, Regenhose, Überziehschuhe, Helmschutz, alles was die Sportbekleidungsindustrie so an wetterfester Kleidung herstellt wurde aufgefahren.

Leider hat das Wetter den Genuss dieser Etappe ein wenig getrübt, denn es war der landschaftlich reizvollste Teil mit engen Talabschnitten, Sandsteinfelsen, Weinbergen und zahlreichen Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke.

Nach Überqueren der Landesgrenze nach Sachsen-Anhalt kam der Wendelstein mit imposanter Burgruine in den Blick. Auf den herrlichen Ausblick aufs Unstruttal mussten wir aus besagten Gründen aber verzichten. Nach gut der Hälfte der Etappe hörte der Regen auf, und da Clemens Wetter-App bei der Abfahrt am Morgen noch eine trocknete Ankunft in Naumburg vorsah, wurden die Regensachen wieder in den Satteltaschen verstaut. Wie sich später rausstellen sollte, war das ein Fehler…. An Freyburg vorbei, für eine Besichtigung von Burg, Altstadt oder Rotkäppchen Sektkellerei hatten wir keine Zeit, ging es entlang der Weinberge mit zahlreichen hübschen Weinberghäuschen in Richtung Unstrutmündung. Kaum war die erreicht, fing es auch schon wieder an zu regnen. Von einer der zahlreichen Möglichkeiten zu Weinverkostung am Wegesrand konnten ebenso wenig Gebrauch machen, wie von den zahlreichen Gartenlokalen. Stattdessen galt es schnell die letzten 5km nach und durch Naumburg in Angriff zu nehmen. Unter einer Saalebrücke hielten wir nochmal an, weil es stärker zu regnen begann. Ein letztes Mal wurde der Regen-Radar bemüht, der ausgiebigen Regen für die nächste Stunde vorhersagte. Zu lange um das abzuwarten und so ging es im Eiltempo durch die historische Altstadt von Naumburg. Auch für den berühmten Dom (UNESCO Weltkulturerbe!) mit den –Achtung Kreuzworträtselwissen- Stifterfiguren Uta und Ekkehard hatten wir keinen Blick. Im Bahnhof angekommen konnten wir die nassen Sachen wechseln und warteten auf die Abfahrt des Zuges.

Die letzten 20km zurück nach Vollnkirchen fuhren wir dann im Trockenen, begleitet von der untergehenden Sonne über dem Stoppelberg und einem riesigen Regenbogen über Lützellinden. Ein versöhnlicher Abschluss der Tour.

 
Camera
DMC-LX5
Focal Length
9.2mm
Aperture
f/2.8
Exposure
1/500s
ISO
10

Bildergalerie Radtour Nr 28 - Leine/Unstrut 2021