Tour Nr 26 - Vennbahn 2019

Start: Aachen
Ziel: Trier
Gefahrene Km: 318 (2980 Höhenmeter)
Etappenorte:
Monschau,
Clervaux (Clerf), Beaufort (Befort)

2019 Vennbahn 900px 

Die 26. Auflage der TUS-Radwanderungen führte in den Westen Deutschlands. Nach Start in Aachen ging es auf der ehemaligen Bahntrasse des Vennbahnradweg, entlang der deutsch-belgischen Grenze über Monschau (Ziel der 1. Etappe) zum Endpunkt des Radweges nach Ulflingen (franz.: Troisvierges) in Luxemburg und von dort weiter zum 2. Etappenziel nach Clerf (franz.: Clervaux). Die dritte Etappe führte quer durch Luxemburg ins Zentrum der luxemburgischen Schweiz nach Befort (franz.: Beaufort) . Die letzte Etappe führte entlang der Sauer über Echternach nach Trier.

 

 

 

Tour Nr 26:Vennbahn - 2019

Start: Aachen

Ziel: Trier

Gefahrene Km: 318 (2980 Höhenmeter)

Etappenorte: Monschau, Clervaux (Clerf), Beaufort (Befort)

Teilnehmer: Friedhelm Schreier, Clemens Ruppert, Jürgen Friedrich, Klaus Friedrich, Oswald Hölß, Edwin Burda, Thomas Ulm, Stefan Holster


 2019 Vennbahn 900px

v.l.:  Friedhelm Schreier, Clemens Ruppert, Jürgen Friedrich, Klaus Friedrich, Oswald Hölß, Edwin Burda, Thomas Ulm, Stefan Holster 

 

Zum 26. Mal haben die Radfahrer des TUS Vollnkirchen ihre Satteltaschen gepackt, um auf eine viertägige Radwanderung zu gehen. Bei der 2019er Auflage von Aachen nach Trier wurden 318km und 2980 Höhenmeter erradelt. Kernstück der Tour war der Vennbahnradweg, mit knapp 130km einer der längsten Bahntrassenradwege Europas, der mit einer durchschnittlichen Steigung von 2% durch den Naturpark Hohes Venn-Eifel und die Ardennen sowie die 3 Länder Deutschland, Belgien und Luxemburg führt.

Über ein Jahrhundert lang war die Vennbahn die eiserne Verbindung zwischen den Kohlerevieren um Aachen und Ulflingen (franz.: Troisvierges) im Norden Luxemburgs und Lebensader für die dort lebenden Menschen. Mit der Bahn kam der Wohlstand in die Region, doch schon vor dem 2. Weltkrieg ging das anfänglich hohe Verkehrsaufkommen zurück, vorallem weil Luxemburg seine Märkte für Eisenerz nach Frankreich verlagerte und der neu eingeführte Zoll die luxemburgischen Erze im Deutschen Reich verteuerte. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Vennbahn während der Ardennenoffensive Kriegsschauplatz, wobei viele Brücken und Tunnel zerstört wurden, deren Wiederaufbau sich lange hinzog. Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Auslastung so stark, dass der Personenverkehr 1961 und der Güterverkehr 1989 ganz eingestellt wurden. Wo früher Kohle- und Erzzüge über die Schienen ratterten, rollen heute Fahrräder und bieten ein im wahrsten Sinne des Wortes grenzenloses Fahrradvergnügen, um unbekannte Landschaften zu entdecken. Auf belgischer Seite ist der Vennbahnradweg ins RAVeL-Netz = Réseau Autonome de Voies Lentes, also „unabhängiges Netz langsamer Wege“ eingebunden, einem Programm um Treidelwege, stillgelegte Bahntrassen und andere autofreie Wege in Ostbelgien als Wander- Reit- und Radverkehrsnetz nutzbar zu machen.

Ungewöhnlich früh starten wir zu unserer diesjährigen Tour, 5:30 Uhr ist Treffpunkt am Vollnkirchener Dorfplatz. Auch müssen wir diesmal die gesamte Verpflegung für die Zugfahrt selbst mitnehmen, da sich kein Marketender fand, der uns so früh Bier und heiße Fleischwurst an den Bahnhof bringen wollte. Da unsere Truppe nach kurzfristigen Absagen von 12 auf 8 Mann geschrumpft ist, hielt sich der logistische Aufwand dafür aber auch in Grenzen…..

Um 7:52 Uhr steigen wir in den Zug nach Dillenburg. So langsam werden wir wach und unsere Mägen beginnen zu knurren. Nach einem Umstieg haben wir ausreichend Zeit für unser traditionelles „Hessenfrühstück“. Nach einem weiteren Umstieg in Betzdorf und noch fast 2 ½ Stunden Zugfahrt vor uns müssen wir feststellen, dass ein 2. Fässchen Bier doch noch drin gewesen wäre, zumal eine Panne an einem vorausfahrenden Zug unsere Fahrzeit zusätzlich verlängerte.

Gegen 12:00 Uhr kommen wir am Hauptbahnhof Aachen an und machen uns auf den Weg zu einem kurzem Schlenker durch die Altstadt. Wir umrunden den Kaiserdom und lassen uns im Schatten des Rathauses nochmal nieder um Kalorien aufzunehmen. Um 13:30 beginnt dann der scharfe Start der Tour. Nach wenigen Kilometern ist der Bahnhof Rothe Erde und somit der Beginn des Vennbahnradweges erreicht. Vor uns liegt ein bestens präparierter Radweg: asphaltierte Trasse, breit ausgebaut, alle 500m Schilder mit Kilometerangaben. So kommen wir ohne störenden Autoverkehr durch den Großraum Aachen. Über die ehemalige Abteistadt Kornelimünster nähern wir uns der belgischen Grenze, die wir kurz vor dem ehemaligen Bahnhof Raeren passieren. Ein leichter aber stetiger Anstieg mit 2% Steigung führt uns hinein in den Naturpark Hohes Venn. Riesige Farne säumen den Weg durch die Wald- und Wiesenlandschaft Ostbelgiens. Wir setzen den Weg Richtung Roetgen, dem "Tor zur Eifel", fort. Mehrere Male durchquert die Vennbahn auf diesem Stück deutsches und belgisches Territorium. Auch auf den Abschnitten, die durch deutsches Gebiet verlaufen, bleibt die Vennbahn immer belgisches Hoheitsgebiet. Eine Folge des Versailler Vertrages, der nicht nur die Abtretung der ehemals preußischen Kreise Eupen und Malmedy vorsah, sondern auch die Vennbahn unter belgische Verwaltung stellte. Als Kuriosum sind so auch fünf deutsche Exklaven entstanden, da die Eisenbahntrasse die westlich davon gelegenen Orte Ruitzhof, Mützenich, das Gehöft Rückschlag, und Teile von Lammersdorf und Roetgen vom deutschen Staatsgebiet abschnitt. Kurz hinter Mützenich verlassen wir die Bahntrasse und fahren einen steilen Berg hinunter in die ehemalige Tuchmacherstadt Monschau, unserem ersten Etappenziel. Der Blick von der Burg auf die schiefergedeckten Häuser der mittelalterlichen Altstadt ist grandios und auf einem abendlichen Rundgang bestaunen wir die vielen prachtvoll erhaltenen Fachwerkhäuser.
Insgesamt haben wir auf der 1. Etappe 71,5km und 540 Höhenmeter zurückgelegt.

Die 2. Etappe beginnt wie immer um 9:00 Uhr. Und wir müssen da wieder rauf, wo wir gestern runter kamen….. 2km mit bis zu 10% Steigung bringt den „Motor“ ordentlich auf Touren. Zurück auf der Bahntrasse geht es ohne große Steigungen weiter. Wir fahren durch eine einzigartige Hochmoor- und Heidelandschaft des Hohen Venns. Zu unserer großen Verwunderung sehen wir kaum vertrocknete Bäume. Zahlreiche Bachläufe und Flüsse sorgen als gigantischer Wasserspeicher für eine grüne Landschaft. Am alten Bahnhofsgelände von Sourbrodt sind noch einige Relikte der historischen Vennbahn zu wundern: Bahnhofsgebäude, Stellwerkhäuschen, Loks und Waggons. Wir decken uns in einem Lebensmittelmarkt mit Obst und Getränken ein und setzen unsere Fahrt fort. Wir passieren den ehemaligen Bahnhof von Waimes und fahren durch eine einzigartige, sanft gewellte Hügellandschaft mit saftig grünen und von unzähligen Hecken gesäumten Pferdekoppeln und Kuhweiden. In Born fahren wir unter einem beeindruckenden 285m langen Viadukt hindurch. Kurz vor St. Vith passieren wir die europäische Wasserscheide zwischen Rhein und Maas. Jetzt geht es überwiegend bergab und wir sammeln Kilometer für Kilometer. Nach 45km, ziemlich genau in der Mitte der heutigen Etappe erreichen wir St. Vith, eine deutschsprachige Gemeinde in der Wallonie. Als die Vennbahn noch in Betrieb war, war St. Vith war ein bedeutender Eisenbahnknotenpunkt. Der Bahnhof beschäftigte in seiner Glanzzeit (1910–1925) rund 1.200 Personen und war das größte Unternehmen der Gegend. knapp 30 Personenzüge und rund 80 Güterzüge passierten täglich den örtlichen Bahnhof. Hinzu kamen 1.200 bis 1.500 Waggons, die rangiert werden mussten. Nach einer Mittagsrast setzen wir unsere Fahrt fort. Es geht weiter überwiegend bergab, zahlreiche Bachläufe und Flussauen begleiten uns. Ein Tunnel bei Lommersweiler sorgt für angenehme Kühle. Leider ist der mit 120m nicht besonders lang und am anderen Ende brennt uns auch wieder Sonne auf den Pelz. Bei Hemmeres geht es ein weiteres Mal über die deutsch-belgische Grenze. Wieder zurück auf belgischem Territorium fahren wir ins Tal der Our hinab, Natur pur ! Nachdem der tiefste Punkt erreicht ist führt der Weg für die nächsten 12 km wieder stetig bergauf. Zur Umfahrung des Fledermaustunnels zwischen Lengeler und Wilwerdange müssen wir richtig in die Pedale treten, 12% Steigung. Kurz vor dem höchsten Punkt ist die Grenze zu Luxemburg erreicht, die wir nicht mal wahrgenommen hätten, wenn dort nicht extra ein Schild am Wegesrand gestanden hätte. Nach einer schönen langen Abfahrt steht noch mal ein kleiner Anstieg an. Oswald strotzt vor Kraft und bringt damit seine Kette zum Reißen. Da aber Ersatzkette und Werkzeug mit an Bord sind ist der Schaden schnell repariert. Nach wenigen Kilometern erreichen wir den Bahnhof von Ulflingen (franz. Troisvierges), den Endpunkt des Vennbahnradweges.

Für und geht die Reise noch etwas weiter, ca 12 km haben wir noch bis zur Unterkunft in Clerf (franz.: Clervaux) vor uns. Zwei giftige Anstiege müssen wir dabei noch bewältigen. Von oben bietet sich aber ein prächtiger Blick auf die Landschaft, deren Anblick sich nun komplett gewandelt hat. Die saftig grünen und von Hecken umgebenen Wiesen der Ardennenausläufer sind durch eine Feld- Wald- und Wiesenlandschaften abgelöst, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Nach rasanter Abfahrt ins Tal erreichen wir unser Hotel gegen 17:40 Uhr nach 93km und 760 Höhenmetern.

9:00 Uhr, Start zur 3. Etappe von Clerf (Clervaux) nach Befort (Beaufort), mit nur 58km eine Überführungsetappe, die uns quer durch Luxemburg an die Sauer bringen soll. Als wir los fahren ist es noch recht frisch, die Sonne hat den Weg in das enge Tal noch nicht gefunden. Wir rollen hinab in den Ort und decken uns mit Verpflegung ein. Gleich danach beginnt auch schon die Auffahrt für einen 2km langen Anstieg. Ein toller Blick auf die Burg von Clerf macht die Anstrengung etwas erträglicher. Wir können die Westen, Softshelljacken und Armlinge wieder ausziehen, Überhitzung droht. Etwas Kühlung bringt die anschließende Abfahrt. Allerdings folgt auch schon die nächste Steigung, knapp 4km lang mit 6-10% Steigung. Zahlreiche kleine Pausen sorgen dafür, dass wir nicht so richtig in den Tritt kommen und für die ersten 15 km des Tages satte 2 Stunden brauchen. Hinzu kam, dass wir über eine halbe Stunde verloren haben, als Stefan und Oswald auf einer Abfahrt an einem Abzweig vorbei gefahren sind und Thomas zurückfuhr, um die beiden wieder einzufangen. Während das Peloton am Ende der Abfahrt bei Dabsburg wartete, waren die beiden Ausreißer schon einen Ort weiter gefahren und Thomas immer noch auf dem Berg auf der Suche nach ihnen….

Wir überqueren die Brücke über die Our und fahren ein Stück auf deutschem Boden weiter. Auf einer Schotterpiste geht es auf und ab, was dafür sorgt, dass wir weiterhin nicht so recht voran kommen wollen. Wieder zurück auf der luxemburgischen Seite setzen wir den Weg an der Our fort. Die Wegbeschaffenheit ist besser, das Profil aber weiterhin sehr wellig. Immer wieder müssen kleine kräftezehrende Anstiege bewältigt werden. Auf einer erholsamen längeren Abfahrt taucht vor uns die Burg von Vianden auf. Wir positionieren uns für ein Gruppenbild und beschliessen noch ein Stück weiter zu fahren, um den nächsten Biergarten für eine kurze Rast anzusteuern. Doch weit und breit ist kein Biergarten zu finden. Erst 10km und einige weitere Anstiege später werden wir in Wallendorf, am Zusammenfluss von Our und Sauer, fündig. Gerade noch rechtzeitig bevor die Stimmung zu kippen droht. Frisch gestärkt geht es auf dem Sauerradweg weiter. Stetig bergab rollt es richtig gut. Doch schon nach 5km ist die rauschende Fahrt zu Ende. Wir müssen vom Tal der Sauer abzweigen und hinauf zum Etappenziel nach Befort (franz. Beaufort). 4 km lang ist der Anstieg, aber zumindest führt der Weg durch einen schattigen Wald. Für weitere Erheiterung sorgt ein kopulierendes Pärchen auf einem Wanderparkplatz….. Nach 58km und 825 Höhenmetern haben wir das Hotel erreicht.

Während Friedhelm und Jürgen (O-Ton: „Mann hab ich hau Pudding in de Boa“) im Hotel geblieben sind, hat der Rest noch eine Rundfahrt durch die Region Müllerthal (lux.: Mëllerdal), auch bekannt als kleine Luxemburger Schweiz, unternommen. 22,5km und weiter 520 Höhenmeter auf zT anspruchsvollen Trails standen auf dem Programm. Ziel waren die imposanten Felsformationen „Predigtstuhl“, „Hohllay“, “Amphitheater“, und „Perekop“, eingebettet in eine wilde Natur aus naturbelassenen Wäldern und Tälern mit kleinen Bächen. Auch wenn wir auf der Runde ohne Gepäck unterwegs waren, die Hitze des Tages sorgt dafür, dass wir das Hotel völlig ausgelaugt wieder erreichen, oder wie Edwin es formulierte „meine Kontrollleuchte ist unterwegs von grün auf dunkelrot umgesprungen.

Die 60 Kilometer der 4. Etappe bis zum Bahnhof nach Trier vor Augen und die Erfahrungen des Vortages mit dem schleppenden Beginn im Hinterkopf, haben wir den Start der letzten Etappe auf 8:30 Uhr vorverlegt. Über Nacht hat sich an Oswalds Vorderrad auch noch ein Plattfuss breit gemacht, der schnell repariert werden musste. Dann konnte es los gehen. Vier Kilometer Abfahrt bis an die Sauer waren schon mal ein guter Auftakt. Und auch die folgenden Kilometer am Fluss entlang spulen wir ab wie nix. Wenn auch nur kurz, aber in Echternach bleibt Zeit für eine Runde Kultur. Auf dem Exkurs liegen die Abtei mit der um das Jahr 700 erbauten Basilika, der Marktplatz mit gotischem Stadthaus und ehemaligen Gerichtshof „Denzëlt“ aus dem 14.Jh, sowie verwinkelte mittelalterliche Gassen. Nach der Runde durch die älteste Stadt Luxemburgs geht es weiter entlang der Sauer. Wir bleiben entgegen unserer ursprünglichen Planung aber auf der luxemburgischen Seite und folgen der Beschilderung bis Wasserbillig, wo die Sauer in die Mosel mündet. Hier überqueren wir die Grenzbrücke und fahren am linken Moselufer weiter. Bei Konz wechseln wir auf die rechte Moselseite. Von der Brücke aus ist in etwas Entfernung die Saarmündung zu erkennen. Auf bekanntem Terrain (> Saar-Mosel Tour 2004) geht es bis nach Trier. Über die Porta Nigra betreten wir die Stadt. Es ist kurz nach 12 Uhr und somit ausreichend Zeit für eine ausgedehnte Mittagspause. Mit Pasta und Weizenbier werden die Kohlenhydratspeicher wieder aufgefüllt. Über den Marktplatz und vorbei am Dom machen wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof. Wir können um 14:30 Uhr einen früheren Zug nach Koblenz ergattern und haben so noch etwas mehr Zeit zum Umstieg, und um uns dafür auf dem Bahnsteig in Position zu bringen. Das war auch gut so, denn schon bei Abfahrt des Zuges waren praktisch alle Fahrradplätze im Zug belegt und an den nächsten Haltestellen lahnaufwärts wurden zustiegswillige Radfahrer wieder aus dem Zug hinauskomplimentiert. In Wetzlar angekommen steuern wir erstmal den Biergarten an der Lahnbrücke an und stoßen mit einem Abschluss-Weizen auf die erfolgreiche Tour an. Danach geht’s über das Siebenmühlental nach Hause. Nach 73km und 335 Höhenmetern erreichen wir gegen 20:00 Uhr Vollnkirchen.

 
Camera
DMC-LX5
Focal Length
9.2mm
Aperture
f/2.8
Exposure
1/500s
ISO
10

Bildergalerie Radtour Nr 26 - Vennbahn