Tour Nr 25 - Elbe (3) 2018

Start: Glöwen/Havelberg
Ziel: Hamburg
Gefahrene Km: 296
Etappenorte:
Wittenberge, Hitzacker, Geesthacht

2018 Elbe Teil3 800px 

Nach 2000 und 2013 stand in diesem Jahr erneut der Elberadweg auf dem Programm. Bei der 25. Auflage der TUS-Radwanderung wurde das letzte Teilstück von Havelberg (bzw dem Bahnhof Glöwen) bis Hamburg gefahren. Insgesamt wurden an den 4 Tagen knapp 300 km zurückgelegt.

 

 

 

Tour Nr 25: Elbe (Teil 3) - 2018

Start: Glöwen (Havelberg)

Ziel: Hamburg

Gefahrene Km: 296

Etappenorte: Wittenberge, Hitzacker, Geesthacht

Teilnehmer:


 2018 Elbe Teil3 800px

v.l.:  Ortwin Schneider, Klaus Friedrich,  Jürgen Friedrich, Clemens Ruppert, Oswald Hölß, Edwin Burda, Friedhelm Schreier, Stefan Holster,   Frank Baust, Armin Friedrich, Thomas Ulm

 

Zum 25. Mal waren die TUS-Radfahrer wieder mit Sack und Pack unterwegs um unbekannte Landstriche zu erkunden. Die Jubiläumstour führte an die Elbe, die bereits in den Jahren 2000 und 2013 auf dem Programm stand. Havelberg bzw die nächstgelegen Bahnstation in Glöwen war das Ziel der 2013er Tour und gleichzeitig der Startpunkt für unsere diesjährige Tour. Über die Etappenorte Wittenberge, Hitzacker und Geesthacht ging es in 4 Tagen knapp 300 km in die Hansestadt Hamburg.  

1. Etappe: Glöwen-Wittenberge 48 (66) km
Die Tour startete wie immer an der Bushaltestelle in Vollnkirchen. Dieses Jahr aber schon um 6:15 Uhr, sodass wir für den Weg zum Bahnhof nach Giessen fast noch die Stirnlampen auspacken mussten. Aber es wurde schnell heller und zwischen Rechtenbach und Lützellinden war ein wunderschöner Sonnenaufgang zu beobachten. Um 7:32 Uhr besteigen wir den Intercity nach Hannover. 2 ½ Stunden ohne Umstieg, die wir für ein ausgiebiges Mittelhessen-Frühstück (haaße Flaaschworscht mit Licher Bier) nutzen. In Hannover haben wir 1 ½ Stunden Aufenthalt und dösen in der Morgensonne bei einem Cappuccino auf dem Bahnhofsvorplatz.

Weiter geht’s um 11:22 mit dem nächsten Intercity bis Stendal. Ab jetzt geht es mit Nahverkehrszügen weiter. Das Geschaukel macht müde, kurz vor dem nächsten Umstiegsort Wittenberge kommt aber Unruhe auf und wir machen uns für den Ausstieg bereit. Als am nächsten Haltepunkt die Hälfte der Räder schon ausgeladen war stellen wir fest, dass wir noch gar nicht in Wittenberge sind…. Also alles wieder rein und weiter geht´s. Den anderen Mitfahrern verkaufen wir es als „Übung“…..
Der nächste Umstieg klappt und um 14:21 kommen wir in Glöwen an und starten unsere Tour. Nach der langen Zugfahrt tut die Bewegung gut. Wir fahren durch einen Kiefernwald neben der Bundestrasse Richtung Havelberg. Bei 32°C im Schatten hat man das Gefühl in Spanien zu sein und nicht in Brandenburg. In Havelberg ist auch der Einstieg auf den Elberadweg erreicht. Wir fahren auf dem Deich, die Sonne brennt und wir haben Gegenwind. Nächstes Zwischenziel ist Rühstädt. Nirgendwo in Deutschland brüten so viele Störche wie in dem kleinen Dorf. Angeblich sollen es 30 Paare sein. Wir sehen außer ein paar Kameraden aus Plastik keinen einen. Vermutlich sind sie von der Hitze genauso ausgedörrt wie wir….. Wir steuern ein Cafe an, schließlich ist es Zeit für den obligatorischen „Quotschekuche“. Die Frage nach dem Kuchenangebot wird mit „wir haben nur noch 3 Stücke“ beantwortet. Wir entscheiden uns spontan um, alkoholfreies Weizen statt Kaffee & Kuchen. Die Antwort der Bedienung „oh, da muss ich mal schauen, ob noch so viele da sind, auf grosse Gruppen sind wir nicht eingestellt“ Wir hatten Glück, es waren gerade noch 10 Flaschen da…..
48km nach Glöwen erreichen wir das Etappenziel Wittenberge. Auf dem letzten Kilometer zum Hotel werden wir auf dem Kopfsteinpflaster noch mal heftig durchgeschüttelt.
Nach dem Abendessen machen wir uns auf die Suche nach einer Kneipe für die Abendgestaltung. Nach einem langen Spaziergang durch die unbelebte Altstadt finden wir 2 Kneipen, leider beide zu bzw am Schließen. Kurz vor der Aufgabe werden wir doch noch fündig, treffen auf eine Gruppe aus dem 350 Einwohner Ort Nassau-Pohl und verbringen einen netten Abend


2. Etappe: Wittenberge – Hitzacker 81km
Punkt 9:00 Uhr starten wir zur 2. Etappe. Die Kaltfront, die über Nacht hereinzog, drückte die Temperaturen auf optimale 22°C. Allerdings kam damit auch der Wind. Nach knapp 10km auf der Deichkrone entscheiden wir uns eine Etage tiefer weiter zu fahren. Aber ganz windstill war es da auch nicht. Da der Weg parallel zu den Flussschleifen verläuft, trifft uns der Wind auch immer wieder mit voller Breitseite. Nach etwa 20km sind wir im 3 Ländereck zwischen Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen angekommen. Verlassene Wachtürme erinnern uns daran, dass die Elbe hier nicht nur Grenzfluss zwischen Bundesländern, sondern auch zweier deutscher Staaten war. Die Elbe ist aufgrund des Niedrigwassers zu einem eines „Rinnsal“ zusammengeschrumpft. Links und rechts vom Deich die Elbtalaue, unendlich weite Wiesen, Felder mit vertrocknetem, kniehohen Mais und kleinen Wäldern. Für bedrohte Tier- und Pflanzenarten stellt das UNESCO-Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe“ sicherlich ein Paradies dar, auf uns Radfahrer wirkt die Landschaft eher monoton. Ab und an mal ein paar Gehöfte und stattliche Eichen sind die einzelne Abwechslung. Wir überqueren die Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern, die nächste Stadt, die wir erreichen ist Dömitz. Dort legen wir am Hafen in einem umgebauten Speichergebäude auch unsere Mittagspause ein.

Gestärkt geht es weiter. Ehe wir die Elbseite wechseln, werfen wir noch einen Blick auf die Ruine der im Krieg zerstörten Eisenbahnbrücke, besuchen die imposante Festung Dömitz, ein 5-eckiges Bollwerk aus dem 16. Jhd. mit massiven Bastionen, und drehen eine Runde durch die Altstadt. Über die nach der Wende erbaute, fast 1km lange Stabbogenbrücke, die einzige Straßenverbindung auf einem etwa 115km langen Elbabschnitt zwischen Wittenberge und Lauenburg, gelangen wir auf die niedersächsische Seite. Die letzten ca 20km werden nochmal zu einer echten Herausforderung, der Gegenwind weht in kräftigen Böhen und macht uns mürbe. In Hitzacker steuern wir daher auch gleich ein Cafe auf der Altstadt-Insel an. Wir haben Glück, man ist auch auf grössere Gruppen eingestellt und es gibt ausreichend (Zwetschgen)Kuchen. So gestärkt fahren wir weiter zum Hotel. Dass wir dafür nochmal einen Berg mit 10%Steigung rauf zum nördlichsten Weinberg Deutschlands fahren müssen, damit haben wir nicht gerechnet…..


Etappe 3: Hitzacker – Geesthacht 83km
Die 3. Etappe begann mit ungünstigen Vorzeichen. Damit war nicht der Regenschauer gemeint, der los ging, gerade als wir aufbrechen wollten, sondern vielmehr der Umstand, dass sämtliche Elbfähren aufgrund des Niedrigwassers ihren Betrieb eingestellt hatten. Eigentlich war geplant von Hitzacker aus ans andere Ufer überzusetzen und rechtselbisch weiterzufahren. Die Alternative wäre die längere und auf unbefestigten Wegen verlaufende linkselbische Nebenstrecke gewesen. Bei der Ankunft am Tag zuvor erfuhren wir, dass es einen Privatmann mit Boot gäbe, der ab 9:00 bei Bedarf Leute übersetzen würde. Wir fahren zum Anleger, finden aber niemanden mit einem Boot, nur ein paar Leute, die auf der anderen Seite gerade ein Sofa-Floß verlassen bzw darauf rumräuseln. Auf unseren Zuruf, ob sie uns übersetzen könnten, reagieren sie nicht. Erst als Jürgen plärrt “seid ihr aach noch taabstumm orr was“ bekommen wir den Hinweis, dass irgendwo ein Zettel mit einer Telefonnummer hängen würde. Tatsächlich finden wir einen Zettel und haben den Mann auch gleich an der Strippe. Aber würde er auch 11 Fahrräder und Gepäck transportieren können ? Erinnerungen an eine Fährüberfahrt auf der Spreetour wurden wach….. „Ich komme gleich runter“ war die Antwort, doch dann tat sich erstmal lange nix. Zumindest kommt uns das Warten lange vor, bis wir ein leises Tuckern vernehmen. Da kam sie tatsächlich unsere Ersatzfähre….. Und was für ein Teil…..alles Marke Eigenbau aber mit hydraulischer Bugklappe ! (Video Elbfähre1,
Elbfähre2) Nach 6 Mann und Rädern war die Kapazitätsgrenze erreicht. Die Bugklappe schließt sich und die erste Hälfte der Gruppe fährt unter dem Gefrotzel und Gelächter der Zurückgebliebenen in der Nußschale davon. Mit einer 2. Fuhre wurde dann auch der Rest über die Elbe gebracht. Viel grösser hätte das Boot auch nicht sein dürfen, auf der Überfahrt erfahren wir, dass die Wassertiefe gerade mal 60cm beträgt.
Nach diesem ersten Highlight des Tages geht es auf dem Rad weiter. Da es quasi windstill war, können wir auf dem Deich fahren und den Schnitt bei 23-25km/h halten. Bis es – wie die Wetter-App vorhergesagt hatte - um 11:00 Uhr anfängt zu regnen. Wir stoppen, packen die Regensachen aus den Packtaschen und stellen uns unter. Ein alter Wachturm der DDR-Grenzbefestigung bei der Fähre Neu-Bleckede bietet ein wenig Schutz vor Wind und Regen. Eine geschlagene Stunde müssen wir warten ehe der Regen aufhört und wir weiterfahren können. Und gerade als wir wieder aufsitzen wollen, kommt Oswald von einer Erkundungsfahrt auf den Deich zurück und sagt „Oh ich glaube eben ist eine Speiche gebrochen“. Ein technischer Halt hätte unseren Zeitplan jetzt vollends über den Haufen geworfen. Halbe Stunde durch die Ersatzfähre, eine Stunde durch die Regenzwangspause….. Wir hatten vor früh am Etappenziel in Geesthacht sein, weil wir abends noch nach Hamburg wollten….. Kurzerhand wird die abgerissene Speiche mit Kabelbindern fixiert und die nächste Stadt angesteuert. Boitzenburg ist nur knapp 15km entfernt und bietet sich somit auch für die Mittagsrast an. Ein Lokal ist schnell gefunden, eine Fahrradwerkstatt jedoch nicht. Darum wird die Reparatur in Eigenregie durchgeführt, Material und Werkzeug hatten wir ja ausreichend dabei…. Auch einen Gewitterregen warten wir noch ab und setzen die Fahrt nach Lauenburg fort, die gleich mit einer Bergwertung aufwartet. Wir passieren eine alte Grenzkontrollstelle und verlassen Mecklenburg-Vorpommern. In Lauenburg, Schleswig-Holsteins südlichster Stadt, rattern wir auf holprigem Kopfsteinpflaster durch die Altstadt und bestaunen die malerischen schiefen Fachwerkhäuschen. Eisbecher und Espresso hätten wir jetzt gerne noch mitgenommen, müssen aber aus Zeitgründen entfallen. Also rattern wir wieder über das Kopfsteinpflaster zurück zur einzigen Elbbrücke weit und breit und fahren auf die andere Seite. So umgehen wir 300 Höhenmeter durch den bewaldeten Höhenrücken rechts der Elbe. Dafür weht uns am Deich wieder der Wind um die Nase. Die letzten 20 km ziehen sich und ständig tauchen neue bedrohliche Regenwolken auf. Aber wir müssen uns nur noch einmal kurz unterstellen. Über das imposante Stauwerk und eine Schleusenbrücke erreichen wir gegen 17:00 Uhr unser Etappenziel.
Eine Stunde bleibt uns zum Frischmachen, dann geht es auch schon wieder weiter. Diesmal mit Bus und S-Bahn hinein nach Hamburg. Nächster Halt Landungsbrücken. Fisch essen im Portugiesenviertel, Besuch der Plaza auf der Elbphilhamonie und Bummel über die Reeperbahn. Da sind wir dann im Silbersack hängengeblieben und erst um 4:30 Uhr wieder ins Hotel nach Geesthacht zurückgekehrt. In den frühen Morgenstunden wurde auch kräftig an Plan B gefeilt. Der sah vor von der Reeperbahn um 5:00 Uhr direkt zum Fischmarkt zu gehen und dann weiter um 11:30 zur gebuchten Stadtführung, doch wir fanden keine Lösung, wie wir zu unseren Rädern bzw unsere Räder zu uns kommen würden.


Etappe 4: Geesthacht – Hamburg 39 (66,5) km
Nach kurzem Schlaf, eigentlich kann man es nur als „Powernapping“ bezeichnen, sitzen wir alle um 7:30 am Frühstückstisch, naja fast alle….. Da das Langschäferzimmer auch noch genüsslich frühstückt, kommen wir erst um 9:00, mit einer halbstündigen Verspätung los. 40 km stehen bevor, um 11:30 müssen wir am Hauptbahnhof zu unserer Führung sein. Entsprechend fahren wir zügig durch das Marschland und vermeiden lange Pausen. Der Besuch in Stefans Heimatdorf und die dort bereitstehenden Getränke und Franzbrötchen fallen leider dem engen Zeitplan zum Opfer. Um 11:15 erreichen wir den Hauptbahnhof und kurze Zeit spät kommt auch schon unser Stadtführer mit seinem Hollandrad um die Ecke. Auf der 2 1/2-stündigen Stadtrundfahrt on-bike erfahren wir sehr viel über die Geschichte der Freien und Hansestadt. Die „nordische Frohnatur“ erzählt so lebendig, dass die Zeit wie im Fluge vergeht und wir in der Hafencity aus Zeitgründen abbrechen müssen. Gerne hätten wir die Rundfahrt durch Hamburg noch fortgesetzt, aber die Bahn hat unseren gebuchten Zug um 16:27 gecancelt und so mussten wir bereits um 14:27 Uhr die Rückfahrt antreten. Zum Glück geht es ohne Umstieg zurück nach Giessen und die meisten fallen schnell in komatösen Schlaf……

 

 

 

 



 
Camera
DMC-LX5
Focal Length
9.2mm
Aperture
f/2.8
Exposure
1/500s
ISO
10

Bildergalerie Radtour Nr 25 - Elbe 2018