AlpenX Nr 7: Vom Gotthard zum Genfer See

AlpenX Nr.7 2021 Schweiz: vom Gotthard zum Genfer See, 465 km - 7085 Höhenmeter

Die Gipfelstürmer-Gruppe der Radfahrer des TUS Vollnkirchen ist wieder mit Sack und Pack zu einer Alpentour aufgebrochen. Unter dem Motto „vom Gotthard zum Genfer See“ führte die Strecke an sechs Tagen über 465 km und 7085 Höhenmeter quer durch die Schweiz. An den ersten Tagen standen Pass-Straßen im Fokus: Gotthardpass, Grimselpass und Grosse Scheidegg. Der ebenfalls eingeplante Furkapass musste wegen einer anhaltenden Wintersperre leider mit dem Zug umfahren werden. Nachdem die hochalpine Region um Andermatt und des Berner Oberlandes im Schatten des Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau passiert war, wurden die Etappen keinesfalls leichter. Im Pays d'Enhaut, einer idyllische Landschaft mit Käsereien, Chalets und sanften Bergen um den Ort Chateau d´Oex im Kanton Waadt, oder der Schlucht des Vallée de l’Hongrin um den gleichnamigen Stausee herum, führten die Radwege im stetigen Auf und Ab, so dass auch hier viele Höhenmeter pro Etappe gesammelt wurden. Nach einer steilen Abfahrt ins Rhonetal war das östliche Ende des Genfer Sees erreicht, an dessen nördlichem Ufer es auf der letzten Etappe in die Metropole Genf ging. Im Weinbaugbiet um Vevey gab es immer wieder traumhafte Ausblicke über die Rebflächen, den blau schimmernden Genfer See und die umliegenden teils noch schneebedeckten Berge.

Hier gehts zum Fotobuch: Fotobuch_AlpenX_#7

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 v.l. Clemens Ruppert, Edwin Burda, Klaus Friedrich, Andreas Knorz, Thomas Ulm, Stefan Holster, Stefan Bernhardt, Armin Friedrich über dem Genfer See

 2021 AlpenX7 Karte 900px


Roadbook

1.Etappe, Mittwoch 16.6.2021: Vollnkirchen-Gießen, Anreise, Airolo-Gotthardpass-Andermatt, 52 Kilometer 1045 Höhenmeter

3:30 Uhr: Mitten in der Nacht regt sich etwas in Vollnkirchen. Die Gipfelstürmergruppe des TUS macht sich auf den Weg zu einer neuen Radtour durch die Alpen

4:10 Uhr: ich komme zum Treffpunkt am Dorfplatz, muss aber nochmal zurück, da ich meine Trinkflasche vergessen habe. Nach und nach trudeln die Teilnehmer ein.

4:20 Uhr: Thomas kommt angerauscht, wir sind komplett und können losfahren. Nach 300m stelle ich fest, dass ich auch mein Fahrrad Navi vergessen habe und muss ein 2. Mal zurück ….. ich düse hinterher und erreiche die Gruppe wieder bei Volpertshausen am Brückelchen, wo Edwin bereits wartet.

5:20 Uhr: Ankunft am Bahnhof in Gießen. Die ersten 20 Kilometern sind geschafft. Mit Bernie stößt der siebte Mann dazu.

5:36 Uhr: der Zug, der uns nach Frankfurt bringt, fährt ab

6:27 Uhr: Ankunft am Frankfurter Hauptbahnhof, der Zug nach Basel steht schon bereit. Für uns bzw. unsere Räder ist das heute eine Premiere, wir fahren ICE! Das Radabteil ist im Waggon Nummer 1 ganz vorne. Wir müssen fast 400 Meter bis zum Ende der Plattform laufen.

6:48 Uhr: Der ICE verlässt Frankfurt

7:58 Uhr: kurz vor Karlsruhe verspüren wir Lust auf Kaffee und just in dem Moment kommt eine Schoppenschaffnerin vorbei und nimmt die Bestellung fürs Frühstück auf

8:27 Uhr: der Kaffee kommt endlich

9:47 Uhr: Ankunft in Basel SBB.

9:52 Uhr: Armin empfängt uns auf der Passerelle (schweizerisch für Übergang über die Bahngleise). Nun sind wir komplett und gehen zum Perron (schweizerisch für Bahnsteig)

10:03 Uhr: wir verlassen Basel im Interregio Richtung Süden

11:45 Uhr: es ertönt die Durchsage, dass wir für einen „Pendel-Wendel“ in Arth-Goldau umsteigen müssen. ntgegen der

11:54 Uhr: wir steigen in den neuen Pendel, der schon am Ende des Perron wartet. Weiter geht die Fahrt.

12:04 Uhr: Flüelen am Ende des Vierwaldstättersees ist erreicht, hier waren wir bereits bei der Tour 2018

12:50 Uhr: wir erreichen Göschenen und fahren in den Gotthardtunnel ein

13:00 Uhr: Ankunft Airolo. Als wir starten wollen streikt Amins neues Fahrrad, der Umwerfer ist verstellt. Nachdem die Schaltung wieder justiert ist, das nächste Malheur: die eine Satteltasche schleift an den Speichen ….. Kurzerhand wird das Teil oben auf den Gepäckträger geschnallt und wir können los.

13:33 Uhr: scharfer Start der ersten Bergwertung, der Gotthardpass. Von den 4 Überquerungsmöglichkeiten dieser wichtigen Nord-Süd Verbindung (Eisenbahn, Straßentunnel, 2 Pass-Strassen) wählen wir die schönste: die alte Poststraße durch das Val Tremola. Lange Zeit zum Einrollen haben wir nicht, vom Bahnhof weg geht es gleich steil bergauf.

13:57 Uhr: die erste Kopfsteinpflasterpassage ist erreicht. Es ist heiß und sonnig, die Straße 5 - 7% steil und der Schweiß rinnt aus allen Poren.

14:18 Uhr: oberhalb eines alten Forts haben wir die erste Rampe geschafft und gönnen uns eine Pause im Schatten.

14:53 Uhr weiter geht's durch das Gewirr der Straßen. Mal über, mal unter der neuen Pass-Straße hindurch gewinnen wir Meter für Meter an Höhe.

15:12 Uhr: Einfahrt in das Herzstück der alten Poststraße, die kopfsteingepflasterte Tremola. Das Wort tremare heisst auf Deutsch zittern und zittrig fühlt sich das Fahren auf den unzähligen derben Kopfsteinpflastern auch an, willkommen bei Paris – Roubaix der Alpen!

16:15 Uhr: zahlreiche Fotostopps später komme ich auf 2106m auf der Passhöhe an, die auch die Grenze zwischen den Kantonen Tessin und Uri darstellt. Mit Andy zusammen trinke ich den ersten Lars-Gedächtnis Espresso der Reise und wir schicken ihm ein Foto davon. Vor lauter Vorfreude auf die Fahrt hat Lars am Abend vor der Abfahrt einen Luftsprung gemacht und sich bei der Landung das Knie verdreht. Auch nach drei 800er Ibus blieb das Knie geschwollen und er musste die Tour schweren Herzens absagen.

17:12 Uhr Armin erreicht als letzter völlig ausgepumpt die Passhöhe.

17:25 Uhr: nach einem Gruppenfoto, die nette Frau war so begeistert von uns und wollte gar nicht mehr aufhören zu fotografieren, sind wir in die Abfahrt gestartet. Über Hospental geht die Schussfahrt nach Andermatt

18:00 Uhr: Ankunft an der Teufelsbrücke. Hier erleben wir den Mythos Gotthard hautnah. Der enge Felsriegel der Schöllenenschlucht oberhalb von Göschenen versperrte seit je her den Zugang zum Gotthard und damit den Übergang Richtung Süden. Dort eine Brücke zu errichten, erwies sich deshalb als ausgesprochen schwierig. Der Sage nach bemühten sich die Urner vergeblich einen Saumweg durch die enge Schöllenenschlucht anzulegen und eine steinerne Brücke an jener Stelle zu errichten, wo die junge Reuss sich durch senkrechte Felswände hindurchdrängt. In seiner Verzweiflung rief der Landammann: "Da soll doch der Teufel eine Brücke bauen!" Da erschien dieser auch schon und sagte: "Ich will euch eine Brücke bauen. Aber der Erste, der darüber gehen wird, soll mir gehören." Die Urner willigten in den Handel ein. Nach drei Tagen wölbte sich tatsächlich eine Brücke über die Reuss. Auf der anderen Seite saß der Teufel und wartete auf seinen Lohn. Statt eines Menschen schickten die Urner jedoch einen Ziegenbock hinüber. "Den magst du behalten", riefen sie, "hier hast du die erste Seele, welche die Brücke überquert!" Voller Zorn zerriss der Teufel den Ziegenbock und holte einen gewaltigen Stein, mit dem er die Brücke wieder zerstören wollte. Da kam ein altes Mütterchen des Weges, erkannte ihn und ritzte ein Kreuz in den Stein. Als der Teufel dies sah, verfehlte er sein Ziel und der Stein landete im Tal, unweit von Göschenen. Dort liegt er seither.

18:30 Uhr Ankunft am Hotel im Zentrum von Andermatt, zur Belohnung des ersten Tages gibt es ein Weizenbier

 

2. Etappe, Donnerstag 17.6.2021: Andermatt – Grimselpass – Innertkirchen, 51 Kilometer, 870 Höhenmeter

8:58 Uhr: wir holen die Räder aus der Garage und führen letzte Wartungsarbeiten vor dem Start durch. Thomas hat einen Haselnuss Stab zurechtgeschnitzt, mit dem Armin seinen Gepäckträger verstrebt bekommt, damit die Satteltasche nicht mehr schleift. Dann schrottet Andy seinen Ständer, Materialermüdung….

9:25 Uhr: Nachdem wir im nahegelegen Supermarkt noch die Getränke-, Obst- und Müsliriegelvorräte aufgefüllt haben, kann die Etappe endlich beginnen. Bis zuletzt hatten wir gehofft, wie geplant über den Furkapass fahren zu können. Aber Aufgrund von Aufräumarbeiten nach einem Felssturz ist der heute noch für jeglichen Verkehr gesperrt. Anrufe bei der Kantonspolizei bringen die Gewissheit, dass er erst am nächsten Morgen geöffnet wird. Die Highlights Rhônegletscher mit den umgebenden Dreitausender-Gipfeln müssen wir ein andermal ins Programm aufnehmen.

9:56 Uhr: nach nur 8,5km kommen wir in Realp an der Autoverladung an. Von hier geht es um 10:50 Uhr mit dem Zug weiter nach Oberwald auf Walliser Seite.

10:05 Uhr: nachdem die Autoverladung abgefertigt ist, verschwindet Klaus mit dem Bahnhofsvorsteher im Schalterhäuschen um die Tickets zu lösen. 25 Minuten später kommt er mit den Tickets in der Hand und dem Spruch „nicht so einfach Leute“ wieder raus. Beamen unter sich….

10:50 Uhr: der Glacier-Express aus Andermatt kommt, wir verladen die Räder ins Gepäckabteil und fahren unter dem Pass hindurch durch den Furka Tunnel

11:10 Uhr: Ankunft in Oberwald

11:20 Uhr los geht's in den Aufstieg zum Grimselpass, den wir nun in voller Länge, respektive voller Steigung, fahren.

10:30 Uhr: die erste Kehre ist erreicht

11:50 Uhr: einige Kilometer vor Gletsch machen wir Halt für einen Fotostopp. Rechts von uns plätschert die noch junge Rhône ins Tal, daneben die kühne Schienenführung der Furka Zahnradbahn und vor uns die furchterregende Serpentinenkonstruktion der Grimselpass-Straße.

12:38 Uhr: wir erreichen Gletsch, wo Furkapass- und Grimselpass-Straße zusammentreffen. Von hier haben wir eine tollen Blick auf den Verlauf der Furkastraße und das Hotel Belvedere am Fuß des Rhônegletschers.

12:50 Uhr: Nach einer kurzen Pause nehmen wir die finale Serpentinenstrecke in Angriff. Die Grimsel lässt sich gut fahren, mit zumeist 6-8% Steigung nie wirklich steil, bleibt genügend Luft, um die grandiosen Ausblicke genießen zu können.

13:41 Uhr: nur noch eine Kehre trennt uns von der Passhöhe

13:58 Uhr: ich erreiche die Passhöhe auf 2165m nach 22,5 Kilometern

14:19 Uhr: Während der Rest der Truppe schon am alkoholfreien Weizenbier nippt, erreicht Armin den höchsten Punkt des Tages.

15:05 Uhr: Gruppenfoto an der Passhöhe, ehe es auf eine 20km lange Abfahrt nach Innertkirchen geht. Vorbei an dem noch zugefrorenen Totensee und den schneebedeckten Gipfeln des Ritzlihorns (3282m) und den Gerstenhörnern (3189m) erreichen wir ein paar Serpentinen tiefer eine seltsame Gebirgslandschaft voller Gegensätze: vor uns liegen die Stauseen Grimselsee und Räterichsbodensee mit mächtigen Staumauern und Kraftwerken, dem legendären Grimselhospiz auf einer Anhöhe dazwischen, und alles umrahmt von eisig grün-grauen Granitbergen. In der Ferne das mächtige Haslital mit dem Flusses Aare. Sage und schreibe neun Wasserkraftwerke sind hier seit 1925 entstanden und es wird weiter gebaut. Zwei riesige rote Baukräne ragen wie Strohhalme in einem Wasserglas gen Himmel.

15:58 Uhr: wir unterbrechen die rasante Schussfahrt im Dorf Guttannen, wo es einen alten Dorfkern aus historischen Holzhäusern zu bestaunen gibt.

16:17 Uhr: Noch 9 Kilometer warten auf uns. Weiter geht es mit hohem Tempo bergab nach Innertkirchen, einem Verkehrsknotenpunkt zwischen Grimsel- und Sustenpass.

16:35 Uhr: Ankunft am Hotel

16:54: wir stellen nur kurz die Räder ab, bringen unser Gepäck auf die Zimmer und machen uns wieder auf den Weg. Diesmal zu Fuß zum örtlichen Bahnhof.

17:05 Uhr: der Zug bringt und nach Meiringen, von wo aus wir durch die Aare Schlucht zurück nach Innerkirchen gehen. Über Jahrtausende hat der Fluss eine 1400 Meter lange und bis 200 Meter tiefe Schlucht in den Felsen gegraben.

18:25 Uhr: Wir sind wieder im Hotel, wo die nächste Herausforderung auf uns wartet: da die Zimmer alle ohne Dusche und WC sind, müssen 8 Mann vor dem Abendessen noch durch die Gemeinschaftsdusche geschleust werden. Aber auch diese Hürde meistern wir. Steff, für die Buchung dieser Etappenunterkunft verantwortlich, kommt seiner Bestrafung zuvor indem er die erste Runde Getränke beim Abendessen übernimmt.

 

3. Etappe, Freitag 18.6.2021: Innertkirchen – Große Scheidegg – Spiez, 68 Kilometer 1525 Höhenmeter

Nach der verkürzten 2. Etappe steht heute mit geplanten 65km und 1400Höhenmetern die Königsetappe über die Große Scheidegg nach Grindelwald und weiter an den Thuner See auf dem Programm.

08:56 Uhr Start der Etappe. Zum Auftakt warten ein paar Kehren mit lockeren 5% auf. Am Eingang der Aareschlucht vorbei erreichen wir eine kleine Anhöhe, von wo aus wir auf die Poststraße nach Grindelwald abbiegen. Gleich zeigt sich der Charakter dieser Etappe, eine steile lange Rampe mit 11% müssen wir bewältigen. Dafür gibt es so gut wie keine Autos, eigentlich verkehrt hier nur der Postbus. Heute allerdings auch ein paar Bauern, die den Almauftrieb mit Traktoren, Pickups und grossen Anhängern bewerkstelligen.

8:30 Uhr kurze Pause im kühlen Wald. Der Schweiß tropft. Wir lassen den Postbus passieren und fahren weiter. Wieder (oder immer noch) 11% Steigung. Die Straße ist so schmal dass wir immer wieder anhalten müssen, um die Viehtransporte oder Postbusse passieren zu lassen. Als wieder die Fanfare eines Postbusses ertönt kommt Bernie nicht rechtzeitig aus den Klickpedalen und fällt einfach stump zur Seite. Wir können ihn gerade von der Straße holen…

10:35 Uhr: wir halten bei einer kleinen Brücke über einen tosenden Bergbach. Im Hintergrund der markante Gipfel des Wellhorn, Postkartenpanorama.

10:52 Uhr: weiter geht's. Nach kurzer Zeit ist ein Plateau mit grünen Wiesen erreicht.

11.13 Uhr: Wie aus dem Nichts taucht ein großes Hotel auf. Rosenlaui, die kleinste Ortschaft der Schweiz, ist erreicht.

11:25 Uhr: Wir erreichen die Schwarzwaldalp, Zeit für einen Espresso. Hier lässt es sich aushalten. Von der schattigen Terrasse blicken wir auf sonnige Berghänge und hören dem Läuten der Kuhglocken zu. Andy verdrückt ein riesen Stück Apfelkuchen. Die Portion hätte auch für 2 gereicht…

12:20 Uhr: weiter geht´s. Die letzten Kilometer zur Passhöhe werden nochmal richtig anstrengend. Steile Rampen, meist über 10%, selten darunter, warten auf uns. Gleich zu Beginn das steilste Stück mit 15%. Die Passstrecke ist wunderbar einsam und landschaftlich wunderschön. Die Aussicht auf das grandiose Bergpanorama mobilisiert nochmal alle Kräfte.

13:14 Uhr Ankunft auf der Passhöhe nach 19,6 Kilometer. Von hier aus bietet sich ein wunderbarer Blick auf das Wetterhorn (3701m), dessen markanter Gipfel uns schon während der Auffahrt begleitet hat. Nach Westen haben wir nun auch freien Blick auf die Eiger Nordwand.

14:11 Uhr: Armin kommt auf der Passhöhe an

14:33 Uhr: wir begeben uns auf die Abfahrt nach Grindelwald. Im Schatten des erhabenen Berner Dreigstirns Eiger (3970m), Mönch (4107) und Jungfrau (4158m) geht es über 12 Kilometer steil bergab

15:15 Uhr: Wir sind am Bahnhof Grund angekommen und haben unterwegs Armin verloren. Thomas fährt zurück und fängt ihn wieder ein. Wir setzen unsere Fahrt fort, über viele Schotterpisten mit viel Gegenwind fahren wir weiter hinab ins Tal.

16:12 Uhr: wir erreichen die Talsohle bei Interlaken

16:39 Uhr: Nach einer Passage auf einem breiten Velostreifen direkt neben der Hauptverkehrsstraße zweigen wir auf ruhigere Nebenstrassen ab und durchfahren Orte am Thuner See. Immer wieder wird der Blick auf den grünblau schimmernden See frei. Im Hintergrund bei unserem Etappenziel braut sich in der schwülwarmen Luft schon ein Gewitter zusammen.

17:31 Uhr: Ankunft am Hotel in der Bucht von Spiez, die die schönste in ganz Europa sein. Zumindest laut Aussage der örtlichen Tourismusbranche. Wir können uns gerade noch ein kühles alkoholfreies Weizen auf der Terrasse genehmigen, ehe ein kräftiges Gewitter niederprasselt

 

4. Etappe, Samstag 19.6.2021: Spiez – Chateau dÓex, 71 Kilometer 1260 Höhenmeter

9:15 Uhr: Start der Etappe in Spiez

09:25 Uhr: Versorgungsstopp im Supermarkt. Klaus ist zum Bahnhof gefahren und regelt die Reservierung für die Rückfahrt.

9:44 Uhr: der scharfe Start ist erfolgt. Wir fahren durch das Simmental

10:55 Uhr: nach ungefähr 20 Kilometer erreichen wir einen Höhenweg der in stetigem Auf und Ab durch Wiesen mit grasenden Simmentaler Kühen und an zahlreichen Bauernhöfen vorbeiführt.

11:16 Uhr: eine erste kleine Bergwertung ist erreicht

12:51 Uhr: nach 38 Kilometern kommen wir in Zweisimmen an und legen die Mittagspause ein. Kräfte sammeln für die letzte Bergwertung des Tages

13:40 Uhr: wir fahren weiter, gleich kommt eine ein Kilometer lange 11% steile Rampe, die uns auf die alte Saanenmöser Straße bringt. Auf dem Höhenweg gibt es immer wieder schöne Ausblicke über das Tal und auf Dörfer mit schmucken Holzhäusern. Das ein oder andere steiles Stück bringt uns wieder ein paar Höhenmeter höher. Kurz vor dem höchsten Punkt wartet eine 17 %ige Steigung auf uns. Mit 4,2 km/h -kurz vor dem Umfallen-bewältige ich das Steilstück.

14:30 Uhr: Ich habe den höchsten Punkt der Etappe oberhalb von Saanenmöser erreicht, 1273 Meter

14:55 Uhr: alle sind auf der „Passhöhe“ angekommen

15:12 Uhr: wir starten in die Abfahrt nach Gstaad

15:30 Uhr: die Abfahrt ist zu Ende, Gstaad, das „Hollywood der Alpen“ ist erreicht. Verschwitzt und mit unseren Rädern wirken wir im Treffpunkt der Schönen und Reichen etwas deplatziert.

15:38 Uhr Espresso Pause im Zentrum von Gsaad. Hier bekommen wir den ersten richtig guten Espresso der Tour serviert.

16:02 Uhr: wir nehmen die letzten 15,5 Kilometer in Angriff

16:29 Uhr: die Kantonsgrenze zwischen Bern und Waadt ist erreicht. Wir durchfahren das Pays d'Enhaut, eine idyllische Landschaft mit Käsereien, Chalet und Schneebergen.

17:02 Uhr: kurz vor dem Etappenziel legen wir einen Stopp am Wasserfall Ramacleau am Flüsschen Saane ein, ehe wir über eine Hängebrücke nach Château-d’Oex fahren.

17:28 Uhr Ankunft am Hotel in Château-d’Oex, das etwas oberhalb des Saanetals auf einer Terrasse liegt. Hier findet jährlich die Internationale Heißluftballonwoche statt, das größtes Treffen dieser Art im Alpenraum, und von hier aus starteten Bertrand Picard und Brian Jones im Jahre 1999 im „Breitling Orbiter 3“ zur ersten Weltumrundung mit einem Ballon ohne Zwischenlandung. Nach 19 Tagen, 21 Stunden und 47 Minuten landeten Sie nach 45.755km in der Ägyptischen Wüste.

 

5. Etappe, Sonntag 20.6.2021: Chateau d´Oex – Montreux, 93 Kilometer 1155 Höhenmeter

9:05 Uhr: zum Start ist es bewölkt und ab und zu fallen ein paar Regentropfen

9:32 Uhr: nach 12 Kilometern erreichen wir Montbovon. Unbemerkt haben wir die Kantonsgrenze zu Fribourg überquert. Das lockere Einrollen ist beendet und nun geht es in Serpentinen bergauf ins Vallée de l’Hongrin. Wir durchfahren eine felsige Schlucht, die der Fluss Hongrin in die Landschaft gegraben hat.

11:00 Uhr: Ankunft am Stausee Lac de l’Hongrin. Wir umrunden den See und sammeln bei dem ständigen Auf und Ab fleissig Höhenmeter

12:15 Uhr: wir kommen in La Lecherette an, wo eine militärische Sperrzone beginnt. Wir haben Glück, dass Wochenende ist und können ungehindert passieren. Außer einem Panzer, der an der Straßenkreuzung aufgestellt ist und dem Hinweis keine Granaten aufzuheben, bekommen wir von dem Militärbetrieb nichts mit.

13:40 Uhr: Nachdem wir den See einmal umrundet haben kommen wir auf dem 1538 Meter hohen Pass Les Agites ab, von wo aus man bei klarer Sicht auf den Genfer See blicken an. Für uns bleibt der See aber im Dunst verborgen. Wir gehen gleich in die Abfahrt über, die uns ins Rhonetal nach Aigle bringt. Gebremst wird die Schussfahrt nur durch einen 300m langen tropfenden und durchlöcherten Tunnel, in den gerade genug Licht hineinfällt, dass man fahren kann.

13:58 Uhr: nach 52 gefahrenen Kilometern taucht in Luan vor uns ein Berggasthof auf, der sich für eine Mittagspause anbietet. Während wir uns über eine Schinkenplatte hermachen, zieht ein Gewitter auf. Innerhalb kurzer Zeit leert sich die zuvor vollbesetzte Terrasse und auch wir entschieden uns dafür vor dem Gewitter ins Tal abzufahren.

14:40 Uhr: eine 12 Kilometer lange und steile Abfahrt über viele Serpentinen führt durch die Winzerdörfer Corbeyrier, Vers-Morey und Yvorne hinab ins Rhonetal

15:17 Uhr: Wir sind in Aigle angekommen. Der Regen nimmt zu und wir stellen uns kurz unter einer Tankstelle unter. Nach ein paar Minuten fahren wir weiter, doch die Tropfen werden wieder stärker und wir halten nochmal unter einer Brücke an der Rhone. 10 Minuten später gibt die Wetter-App grünes Licht. Wir passieren das Tempodrom des Radsportweltverbandes UCI und fahren auf einer „Rennstrecke“ parallel zur Rhone. Das Tempo halten wir konstant hoch bei 27 - 29 km/h und machen so auf den nächsten 10 Kilometer ordentlich Boden gut

16:05 Uhr kurz vor Villeneuve ist das Rennen zu Ende. Irgendwo sind uns dabei Armin und Andy verloren gegangen. Die letzten 11 Kilometer fahren wir am Genfer See entlang. Von Weitem ist schon das imposante Schloss Chillon zu sehen, wo wir Armon und Andy wieder einfangen.

17:17 Uhr Ankunft am Hotel in Montreux

 

6. Etappe, Montag 21.6.2021: Montreux – Genf, 108 Kilometer 1060 Höhenmeter

9:00 Uhr wir satteln die Räder, Bernie beschallt uns dabei mit Schlagermusik.

9:20 Uhr: wir fahren ein Stück entlang der blumengesäumten Seepromenade, ehe es bei Vevey in die Weinberge geht. Im ständigen Auf und Ab fahren wir durch die Rebhänge des Lavaux, ein grandioser Blick folgt auf den andere. Wir können uns gar nicht satt genug sehen. Wir passieren hübsche Weindörfer wie St-Saphorin, Epesses oder Lutry. Gerne wären wir für einen Schoppen eingekehrt, aber vor uns liegen noch über 90 Kilometer…

10:50 Uhr: nach einer 15%igen Steigung sind wir am höchsten Punkt angelangt, Panoramablick über die Weinberge und den See inklusive

11:36 Uhr: wir haben das Weinanbaugebiet hinter uns gelassen und sind wieder am See in Lausanne angekommen.

11:50 Uhr: vor dem IOC Gebäude positionieren wir uns für ein Gruppenbild

13:30 Uhr: Hunger macht sich breit, wir suchen nach einer Einkehrmöglichkeit. Da wir aber abseits der Ortschaften fahren finden wir nichts.

14:20 Uhr: in Rolle zweigen wir von der Route ab und fahren zum See in der Hoffnung dort etwas zu finden. Wir finden ein Lokal direkt am See, doch die Küche hat bereits geschlossen. Bei einer nahegelegenen Bäckerei im Ort finden wir kalorienhaltige Nahrung, die uns für die restliche Etappe rettet.

14:55 Uhr: wir fahren weiter, noch 42 Kilometer bis Genf.

17:11 Uhr: die Stadtgrenze von Genf ist erreicht, die letzten 3 Kilometer fahren wir entlang der Seepromenade. Von weitem schon ist die 140 Meter hohe Wasserfontäne „Jet d'eau“ zu sehen.

17:40 Uhr: Ankunft am Hotel

 

7. Etappe, Dienstag 22.6.2021: Rückreise, Gießen – Vollnkirchen, 22km, 170 Hm

10:00 Uhr: heute haben wir etwas länger geschlafen und machen uns für einen Rundgang zu Fuß durch die Stadt fertig

13:30 Uhr: wir sind wieder zurück im Hotel, holen die Räder und das Gepäck und fahren zum Bahnhof

14:15 Uhr: Abfahrt aus Genf

15:49 Uhr: Umstieg in Biel, Weiterfahrt nach Basel

16:53 Uhr: Ankunft Basel SBB

17:20 Uhr: Armin verbschiedet sich, der mit dem Bummelzug weiter nach Offenburg fährt

17:50 Uhr Klaus schaut zufällig nochmal in der Bahn-App nach und stellt fest, dass der Halt unseres Zuges in Basel SBB entfällt. Gerade noch rechtzeitig, um uns einen Überblick über die Lage zu verschaffen und umzuplanen. Wir fahren mit der S Bahn nach Basel Badischer Bahnhof, wo der ICE nach Frankfurt bereits wartet.

21:08 Uhr: Ankunft in Frankfurt und letzter Umstieg nach Gießen

22:03 Uhr: Ankunft am Bahnhof Gießen

23:07 Uhr: Ankunft am Dorfplatz in Vollnkirchen

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