Tour Nr 27 - Oder/Neiße 2020

Start: Zittau
Ziel: Frankfurt/Oder
Gefahrene Km: 323
Etappenorte:
Görlitz, Bad Muskau, Eisenhüttenstadt

Allen pandemiebedingten Widrigkeiten zum Trotz sind die TUS Radfahrer zu ihrer 27. Radwanderung aufgebrochen. An vier Tagen wurde über 320km an Oder und Neiße geradelt, meist auf gut asphaltierten Wegen und zu großen Teilen nah an der Grenze zu Polen entlang. Nach dem Start in Zittau führte die Tour über die Etappenorte Görlitz und Eisenhüttenstadt nach Frankfurt/Oder. Eine abwechslungsreche Landschaft mit Flussauen, Nadelwäldern, Alleen, historischen Städten, malerischen Orten, Klöstern, Schlössern, Parkanlagen und Seen begleitete die Radfahrer. Ein Besuch des Luftfahrttechnischen Museums in Rothenburg und der Tagebau Jänschwalde im Lausitzer Braunkohlerevier rundeten das Kulturprogramm ab.

 

 

 

Tour Nr 27: Oder/Neiße 2020

Start: Zittau

Ziel: Frankfurt/Oder

Gefahrene Km: 323

Etappenorte: Görlitz, Bad Muskau, Eisenhüttenstadt

Teilnehmer: Jürgen Friedrich, Thomas Ulm, Andreas Knorz, Stefan Holster, Clemens Ruppert, Klaus Friedrich

2020 Oder Neisse 900px
 

v.l.: Jürgen Friedrich, Thomas Ulm, Andreas Knorz, Stefan Holster, Clemens Ruppert, Klaus Friedrich

 

1. Etappe: Zittau - Görlitz

Früh aufstehen mussten die Radfahrer für das Unternehmen Oder/Neiße. Bereits um 4:45 war Treffen am Dorfplatz und Abfahrt zum Bahnhof nach Gießen. Der Eimer mit heißer Fleischwurst auf Klaus Gepäckträger leuchtete wie eine rote Laterne, der wir auf dem dunklen Radweg gut folgen konnten. Um 6:04 Uhr ging mit dem Zug weiter. Es folgte eine 9-stündige Fahrt mit Umstiegen in Kassel, Halle/Saale, Leipzig und Dresden. Nach der Ankunft in Zittau führte uns der Weg direkt in ein Cafe in der Altstadt, wo die leeren Energiespeicher mit einer Herrentorte wieder aufgefüllt wurden. Nach einem Rundgang durch die historische Stadt im Dreiländereck, bei der wir nicht nur die bekannten Sehenswürdigkeiten wie Marktplatz, Rathaus, Salzhaus und das Schleifermännchen zu sehen bekamen, sondern auch eine architektonisch interessante Fassadengestaltung im nahen Umfeld der Altstadt, ging es auf den Radweg an die Neiße. Schwarz-rot-goldene Grenzpfähle deuteten darauf hin, dass wir uns direkt an der Grenze zu Polen befanden. Über Weiden, Wiesen und durch Wälder schlängelte sich der Weg meist nah am Fluss entlang gen Norden. Wie aus dem Nichts tauchte aus der grünen Auenlandschaft auf einmal das Klosterstift St. Marienthal, das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland (gegründet 1234) auf.

Kurze Zeit später erwischt es Andi, eine Wespe verirrt sich in seinem Helm und hinterlässt einen schmerzhaften Stich. Bei Berzdorf machten wir einen Abstecher zum gleichnamigen See, einem ehemaligen Braunkohletagebau, der heute einer der größten Seen in Sachsen ist und verschiedenste Freizeitmöglichkeiten bieten. „Hei konne mer net bleiwe“ hieß es aber auch hier und so radelten wir weiter. Andi´s Auge war durch den Wespenstich mittlerweile so zugeschwollen, dass er aussah wie Sylvester Stallone in Rocky, nach dme Kampf versteht sich. Zum Glück war eine Allergietablette griffbereit und das Etappenziel Görlitz nicht mehr weit entfernt. Nachdem wir unter dem Neißeviadukt, mit 475m Länge eine der größten und ältesten Eisenbahnbrücken in Deutschland, hindurch gefahren sind, leuchtete auch schon die Obermühle, unser Quartier in der Abendsonne auf. Hier wurde dann Andi ärztlich versorgt und während er sich schonte und Augenpflege betrieb, brach der Rest noch zu einem Gang in die Altstadt auf.
Bilanz des ersten Tages: 62km und 240HM

 

2. Etappe: Görlitz - Bad Muskau

Am nächsten Morgen, das Frühstück haben wir Corona-bedingt auf dem Zimmer eingenommen, stand zunächst Sightseeing auf dem Programm. Nach einem Abstecher über die Altstadtbrücke über die Neiße auf die polnische Seite, Zgorzelec, führte uns ein Rundgang durch die historische Altstadt. Im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen fast völlig verschont blieb eine Altstadt mit mittelalterlichem Flair erhalten. Von den Fassaden, an denen sich der Reichtum der Kaufleute vergangener Zeiten widerspiegelt, kann man alle wesentliche Phasen der mitteleuropäischen Baustile ablesen: von Spätgotik über Renaissance, Barock bis zur Gründerzeit. Dieses besondere Stadtbild machte Görlitz zu einem auch international beliebten Filmdrehstandort, weshalb es auch „Görliwood“ genannt wird. Einen kurzen Regenschauer überstehen wir unter einem Turm der ehemaligen Stadtbefestigung.
Zurück an der Neiße führte uns der Weg, wie schon am Tag zuvor, meist in direkter Nähe zum Grenzfluss durch Wiesen und Wälder. Der Regen wurde immer weniger und bald konnten wir die wasserdichten Klamotten wieder in den Satteltaschen verstauen. Vor Zehntendorf passieren wir unbemerkt den östlichten Punkt Deutschlands. Am späten Vormittag war Rothenburg erreicht, wo wir das Luftfahrttechnische Museum besuchten. Unter fachkundiger Führung erhielten wir Einblicke in die Entwicklung von Düsenjets in Zeiten des kalten Krieges und die Funktionsweise von Strahltriebwerken. Über 15 Flugzeuge, darunter MIGs in mehreren Versionen, sowie Starfighter und ein sowjetischer Suchoj-22 Jagdbomber gab es zu bestaunen.

Wieder zurück auf dem Radweg gab es nach wenigen Kilometern eine Zwangspause, Jürgen hat sich einen 8cm langen Nagel eingefangen. Keine Ahnung, wie er sich den in den Reifen gearbeitet hat….

Langsam machte sich auch Hunger breit, doch in den kleinen Dörfern gab es nicht mal eine Bäckerei. In Klein-Priebus kamen an einem Biergarten vorbei, aber auch der schien geschlossen zu sein. Zum Glück haben wir genauer nachgesehen und nachgefragt und fanden so doch noch eine Lokalität für die Mittagspause. Das Angebot war begrenzt, der Kuchen noch nicht fertig, aber die hausgemachte Soljanka war sehr lecker. Der Radweg führte nun vom Tal der Lausitzer Neiße in die Muskauer Heide.

Ein besonderes Highlight am Ende der Etappe war der Fürst-Pückler Park in Bad Muskau. Eine 8km langer Rundkursr führte uns durch das UNESCO Welterbe, vom alten und neuen Schloss im deutschen Parkteil zu Aussichtspunkten im polnischen Teil des weitläufigen Landschaftsparks. Über das Viadukt und die etwa 600 Jahre alten Odinseichen ging es zurück in den mit Pflanzen angelegten deutschen Teil. Nach 86km und satten 404 Höhenmetern waren wir an der Unterkunft.

 

3. Etappe: Bad Muskau - Eisenhüttenstadt

Die 3. Etappe war mit 105km die Königsetappe der Tour. Nach wenigen Kilometern verließen wir Sachsen und radelten fortan durch Brandenburg. Die einzige größere Stadt, die wir passierten war Forst. Hier kündigten Schilder eine Sperrung des Radweges an, die wir –wie sonst meist auch in solchen Fällen- geflissentlich ignorierten. Wir hatten Glück, es war Samstag und die Bauarbeiten ruhten. Bis auf ein kleines Stück auf sandigem Untergrund konnten wir die Fahrt auf dem Neißeradweg fortsetzen. Mehr zu schaffen machte uns der Wind, der uns kräftig und meist von schräg vorne entgegenblies.

Bei Grießen besuchten wir Aussichtspunkte auf den Tagebau Jänschwalde. Schier endlos war der Blick über die bereits abgebaute und wieder rekultivierte Fläche. In der Ferne ragten die 9 Kühltürmen des Kraftwerks Jänschwalde auf, mit 3000 Megawatt das drittgrößte deutsche Kraftwerk. Knapp zwei Kilometer weiter nördlich konnten wir bei dem nördichen Aussichtspunkt den Braunkohleabbau mit der gigantischen Abraumförderbrücke F60 (Gesamtlänge über 650 Meter !) und mehreren Eimerkettenbaggern bestaunen.

Nächster Zwischenstopp war Guben. Hier legten wir eine Verpflegungspause ein und nutzen die Gelegenheit für eine Runde durch die polnische Schwesterstadt Gubin, östlich der Neiße. Den Zusammenfluss von Oder und Neiße bei Ratzdorf hätten wir fast übersehen, da wir zuvor von der Neiße weggefahren sind und nach der Ortsdurchfahrt Ratzdorf an die Oder kamen. Auf dem Damm mit bestem Blick auf den Fluss setzten wir unsere Fahrt fort. Kurz vor dem Etappenziel machten wir einen Abstecher ins Landesinnere zum Kloster Neuzelle. Das hier gebraute Klosterbier hat uns angelockt. Die Brauerei hat leider keinen Biergarten, nur einen Verkaufsladen, und drum deckten wir uns mit Flaschenbier ein und ließen uns auf einer Parkbank vor der Klosterpforte nieder. O-Ton Jürgen: „wie die Penner, jetzt liegen wir um 4 Uhr besoffen im Graben“. Wir bekamen Kontakt zu einer polnischen Gruppe und fachsimpeln über Fahrräder. Die Besichtigung der Klosterkirche musste leider entfallen, unsere Trinkpause hat zulange gedauert und die Kirche war verschlossen. Aber auch die frei zugänglichen Teile der Klosteranlage, die als „Barockwunder Brandenburgs“ bezeichnet wird, war sehr eindrucksvoll. Zurück an der Oder war es auch nicht mehr weit zu unserem Etappenziel in Eisenhüttenstadt bzw dem Stadtteil Fürstenberg.

 

4. Etappe: Eisenhüttenstadt - Frankfurt/O.

Für die letzte Etappe gibt es eine kurzfristige Planänderung, statt direkt weiter an der Oder entlang nach Frankfurt zu fahren, machen wir einen Schlenker ins Zentrum der Planstadt von Eisenhüttenstadt, die in den 1950er Jahren als „erste sozialistische Wohnstadt der DDR“ für das Eisenhüttenkombinat Ost gebaut wurde. In unserer simplen Vorstellung haben wir mit typischen Plattenbauten gerechnet und sind daher überrascht architektonisch ansprechende Gebäudekomplexe zu sehen. Wieder zurück in Fürstenberg fuhren wir weiter stromabwärts der Oder entlang auf einem Damm. Da wir des Öfteren Durchlässe der Schweinepest-Wildscheinschutzzäune passieren mussten und das ständige Öffnen und Schließen des Weidezauns unseren Fahrfluss doch gewaltig behinderte, radelten wir auf einem Parallelweg unterhalb des Damms weiter. Hier sahen wir zwar so gut wie nix mehr von der Oder, aber dafür konnten wir die Reisegeschwindigkeit auf 28hm/h schrauben. Das hatte zur Folge, dass wir schon zur Mittagszeit in Frankfurt/Oder ankamen. Bis zur Abfahrt des Zuges waren es noch 3 Stunden, die wir mit einem Rundgang an der Oderpromenade, Abstecher ins polnische Sƚubice und Mittagessen überbrückten. Vorbei an historischen Gebäuden wie dem Kleistmuseum, der St. Marienkirche in Backsteingotik und dem Rathaus mit eindrucksvoller Fassade erreichten wir den Bahnhof, von wo aus wir über Berlin und Hannover zurück nach Giessen fuhren. Mittlerweile war es Dunkel geworden und die Fahrradlampen wurden aus den Satteltaschen gekramt, die letzten Kilometer wurde nämlich nochmal Rad gefahren. Zwischen Rechtenbach und Weidenhausen hatten wir grosse Mühe den zahlreichen Feuersalamandern auszuweichen. Im Schritttempo ging es im Slalom um die Lurche rum. Mit Glockenschlag 23:30 Uhr erreichten wir Vollnkirchen.

 

 
Camera
DMC-LX5
Focal Length
9.2mm
Aperture
f/2.8
Exposure
1/500s
ISO
10