Historische Grenzwanderung

Wandern und Grenzen erkunden

FREIZEIT Vielerorts wird zwischen den Jahren gewandert, so auch in Vollnkirchen
 

Um die 30 Grenzgänger haben sich auf dem Dorfplatz versammelt. Von hier aus startet die 3,5 Kilometer lange Wanderung, die zwei Stunden dauern soll. Die Tradition des Grenzgangs ist in Vollkirchen eine recht neue. Sie wird sozusagen erst etabliert, erklärt Clemens Ruppert, Vorsitzender des TUS Vollnkirchen und einer der Initiatoren des Grenzgangs. „Wir vom Förderverein Handball Vollnkirchen organisieren zwischen den Jahren das Backhausfest. Zum 50. Vereinsjubiläum haben wir 2015 zusätzlich eine Grenzsteinführung gemacht. Das fanden wir auch im Zusammenhang mit der Dorferneuerung und der Geschichte des Dorfes interessant.“ Weil Grenzgänge zum einen wieder in Mode kommen und die Veranstaltung zum anderen gut ankam, lud der Förderverein auch dieses Jahr zum Grenzgang ein.

In diesem Jahr geht es über den Eselspfad hinein in den Hüttenberger Wald. Mit dabei ist Gerd Matthes. Er ist ein sogenannter Grenzstein-Obmann beim Amt für Bodenmanagement und Geoinformation. Dementsprechend gut kennt er die Geschichte von Grenzsteinen und historischen Grenzen. Die Teilnehmer lässt er an seinem Wissen ausführlich teilhaben.

Die Wanderer erfahren unter anderem, dass Grenzgänge im Mittelalter und der Frühen Neuzeit kein lustiger Freizeitspaß waren, sondern, dass ihnen oft ein Streit zugrunde lag. So wurden Grenzbegehungen nötig, wenn sich benachbarte Gemeinden um Grund und Boden stritten. Aber auch zur Kontrolle, ob alle Grenzsteine noch am richtigen Platz stehen, wurden Grenzgänge gemacht.

Bei dem Gang in Vollnkirchen geht es dafür auch schon mal mitten durchs Gestrüpp und über unbefestigte Wege. Eine kleine Herausforderung für die Wanderer, die aber viel Spaß macht. Zum Erläutern der einstigen Dorfgrenzen hat Matthes Karten mitgebracht, die er bei den Stopps als Anschauungsmaterial präsentiert. Wissenswertes erfahren die Teilnehmer aber nicht nur über historische Grenzen und Grenzmarkierungen. Matthes geht auch auf Gesteinsarten ein und Clemens Ruppert erläutert die Beschaffenheit des Hüttenberger Waldes sowie die Geschichte der drei Mühlen am Schwingbach. So endet ein spannender Vormittag schließlich wieder am Dorfplatz, wo im Anschluss das Backhausfest stattfindet.

Auch zu Beginn des neuen Jahres finden an vielen Orten noch Grenzgänge statt. Mitgehen lohnt sich.

Jenny Berns, Wetzlarer Neue Zeitung 31.12.2016