Radtour StilfserJoch 2016

2016 Stilfser Joch 1

Nach einer Alpenüberquerung mit dem Fahrrad im vergangenen Jahr hat es die Gipfelstürmergruppe der Radfahrer des TUS Vollnkirchen erneut in die Berge gezogen. Ziel war der Ort Prad im Vinschgau in Südtirol, wo an einem verlängerten Wochenende bei Radtouren 150km und 3500 Höhenmeter bewältigt wurden. Höhepunkt war die Auffahrt auf das Stilfser Joch, das Prad mit Bormio verbindet und mit 2757m den zweithöchsten asphaltierten Gebirgspass der Alpen darstellt. Die „Königin der Passstraßen“ windet sich in 48 Kehren am Ortlermassiv entlang hinauf auf die Passhöhe. Auf der 25km langen Strecke mussten 1842 Höhenmetern überwunden werden. Von der nochmals 50m höher gelegenen Tibethütte bot sich eine grandiose Aussicht auf das Kurvenkarussell, die –neben der nachfolgenden Abfahrt ins Tal-  Lohn für die geleistete Anstrengung war.

2016 Stilfser Joch 2

Teilnehmer v.l. Klaus Friedrich, Clemens Ruppert, Edwin Burda, Stefan Holster, Andreas Knorz, Armin Friedrich

 


 

Prolog:
Bereits bei der Alpenüberquerung im vergangenen Jahr von Füssen an den Gardasee war ein Abstecher auf das Stilfser Joch eingeplant. Wegen einer Schlechtwetterphase mit viel Regen (bzw. Neuschnee in den Alpen) Ende Mai 2015 konnte das Projekt Stilfser Joch nicht erfolgreich beendet werden. Der Warnhinweis ausgangs von Prad, dass der Pass gesperrt ist konnte uns ebenso wenig abhalten, wie eine geschlossene Schranke hinter der letzten Ortschaft Trafoi. An der Franzenshöhe, ungefähr bei Kehre 20 in 2188m Höhe war Schluss. Auch für die letzten beiden tapferen Krieger war spätestens an Kehre 14, ca 4 km vor der Passhöhe war wegen einer geschlossenen Schneedecke nichts mehr zu machen. Und auch schon davor musste das Rad mehrfach über Minilawinenabgänge und Schneeberge, die die Strasse versperrten, getragen werden.
So blieb das Stilfer Joch für die Gipfelstürmergruppe der TUS Radler eine offene Baustelle....
Entsprechend liefen Anfang diesen Jahres die Planungen für das erneute Unternehmen Stilfser Joch heiß… Ein Termin war gefunden, Unterkunft gebucht und im Vorfeld ausgiebig trainiert um die 25km lange Auffahrt auf den 2757m hohen Paß zu überstehen.

1. Tag: Anreise und Einrollen
Am Donnerstag den 7.Juli war es soweit, die Räder wurden im VW-Bus verstaut und los ging es Richtung Süden. Nach einem obligatorischer Stopp in Füssen, dem Startort der letztjährigen Alpenüberquerung, ging es diesmal mit dem Auto weiter über Fern- und Reschenpass nach Südtirol. Kurz nach einem letzten Fotostopp am Reschensee war auch schon der Vinschgau und das Ziel Prad erreicht.

Nach Bezug der Zimmer war am späten Nachmittag noch Zeit für eine „kleine“ Aufwärmrunde rund um Prad. Mit 17km war die auch wirklich nicht sehr lang, doch die Erhebungen um Prad sind halt schon ne andere Kategorie als die mittelhessischen Berge…. Gleich vom Start weg ging es über 7km mit 7-8 % Steigung den Berg hoch; ein guter Vorgeschmack auf den nächsten Tag…. Lohn für die Mühe war eine tolle Aussicht auf das Etschtal und eine schöne Abfahrt hinunter nach Tschengels. Durch Obstplantagen hindurch führte der Weg zurück nach Prad.
Nun hieß es Kräfte sammeln für den nächsten Tag. Entsprechend stand Pasta auf dem Essensplan der meisten Teilnehmer. Da das EM Halbfinal aus deutscher Sicht enttäuschend verlief, gab es auch keinen Grund länger zu feiern ….

2. Tag: Stilfser Joch
Bereits um 7:00 Uhr saßen wir beim Frühstück versammelt und um 8:00 Uhr auf den Rädern Richtung Stilfser Joch. Mit dem gemütlichen Einrollen war es schnell vorbei. Schon kurz hinter Prad wurde es merklich steiler. Nach 6,5 km war Gomagoi erreicht, wo die Strasse einerseits zum Dorf Stilfs und andererseits nach Sulden am Ortler abzweigte. Ein kurzes „Flachstück“ mit unter 5% Steigung bot nochmal Gelegenheit zum Durchatmen, ehe es dann kontinuierlich mit 7-9% den Berg hinauf ging. Jetzt war es auch nicht mehr weit bis zur ersten Kehre. Die Kehre mit der Nummer 48 war nach gut 8km erreicht. Dann war es aber wieder ein ganzes Stück zu fahren, bis kurz vor der Ortschaft Trafoi die nächsten Kehren folgten. Hinter Trafoi, etwa bei Kilometer 12 ging es in den Wald hinein und hier wurde es dann richtig steil, mit Spitzensteigungen von bis zu 13% und einem Labyrinth an Kehren. Spätestens hier war klar warum die Straße auch „Königin der Alpenpässe“ genannt wird.
Nach Kehre 22 bei Kilometer 18 war die Franzenhöhe mit dem Berggasthof in 2188m Höhe erreicht. Ab hier bot sich ein grandioser Blick auf die verbleibenden Kehren. Immer das Ziel vor Augen ging es weiter nach oben, Kehre für Kehre. Und je höher wir kamen, desto abenteuerlicher wurde die Straßenführung. Nach 25km und 1840 Höhenmetern war dann die Passhöhe erreicht. Mit 2757m ist das Stilfser Joch der zweithöchste asphaltierte Alpenpass Europas, nur getoppt durch den 7m höheren Col de l'Iséran in Frankreich. Natürlich wollten wir noch höher hinauf und so ging es weiter auf die auf 2800m hoch gelegene Tibethütte, von der sich eine atemberaubende Aussicht auf den Pass und das Kurvenkarussel bot. Die drei Spitzenreiter Edwin, Steff und Clemens, die nach 3h 6min reiner Fahrzeit den höchsten Punkt erreichten, warteten hier bei Kaiserschmarrn auf das Peloton. Dies wurde knapp eine Stunde später an der 1. Kehre gesichtet und an der Passhöhe kam es dann wieder zum Zusammentreffen. Andi, Armin und Klaus brauchten erstmal eine grosse Portion Spaghetti, um wieder zu Kräften zu kommen. Nach einem Fotoshooting an der Passhöhe war es Zeit für die Rückfahrt. Während Andi, Armin und Klaus sich noch etwas auf „Europas höchstem Rummelplatz“ tummelten und den gleichen Weg zurück nahmen, fuhren Edwin, Steff und Clemens die Variante über den Umbrailpass zurück. Dieser Weg führte zunächst ein Stück die Stilfser Joch Straße Richtung Bormio hinunter und zweigte dann zum 2503m gelegenen Umbrailpass ab. Hier wurde die Grenze zur Schweiz passiert, ehe es in rasanter Abfahrt ins nach Santa Maria im Val Müstair ging. Nach 68km war auch Prad wieder erreicht, wo beide Gruppen fast zeitgleich eintrafen.

3. Tag: Almentour durch den Vinschgau
Nach der Anstrengung des Vortages ließen wir es am Samstag etwas lockerer angehen. Anstelle einer angedachten Tour durch die Almen des Val Müstair Richtung Ofenpass mit 1900 Höhenmetern, sollte es „etwas im Tal“ entlang gehen mit nur wenigen Höhenmetern. Doch wie so oft kommt alles anders. Am Ende standen auch wieder 65km und 1110 Höhenmeter auf dem Tacho….
Dabei ging es am Anfang auch wirklich nur bergab. Durch Obstplantagen und entlang der Etsch führten die ersten 20km von Prad ins 150m tiefer gelegene Schlanders. Doch dann folgte ein Anstieg der es in sich hatte. Bis zum höchsten Punkt musste eine Differenz von 800 Höhenmetern überwunden werden. Darunter ein kerzengerades, 2km langes Stück durch eine Obstbaumplantage von Kortsch nach Allitz mit kontinuierlich 11% Steigung. Das war so steil, dass man kaum nach der Trinkflasche greifen konnte ohne dabei den Lenker zu verreißen. Von Allitz ging es weiter bergauf über Serpentinen bis zu einem Berggasthof oberhalb von Tanas auf 1580m Höhe.
Nach einer Mittagsrast verzogen sich auch die Wolken immer mehr und es stand der schönste Abschnitt der Tour bevor. Immer am Hang entlang, leicht abschüssig führte der Weg durch die Almen oberhalb des Etschtals. Immer wieder boten sich uns tolle Ausblicke auf die Dörfer und Obstplantagen im Tal, die wie ein Flickenteppich vor uns lagen. Nach einer rasanten Abfahrt, vorbei an der mittelalterlichen Churburg, war in Schluderns das Tal wieder erreicht. Über Mals und Laatsch sind wir weiter nach Glurns gefahren, wo wir uns auf dem Markplatz zum Abschluss ein Eis gegönnt haben.

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