Tour Nr 6: Donau - 1999

Start: Donaueschingen
Ziel: Ulm
Gefahrene Km: 250
Etappenorte: Beuron, Zwiefalten

 

 

Tour Nr 6: Donau - 1999

Start: Donaueschingen

Ziel: Ulm

Gefahrene Km: 250

Etappenorte: Beuron, Zwiefalten

Teilnehmer:

1999 Donau 

(von links nach rechts): Norbert Koch, Arno Schmidt, Michael Noack, Friedhelm Schreier, Klaus Friedrich, Stefan Schmidt, Jürgen Friedrich, Uwe Blücher, Volker Engel, Hans-Heinrich Pardey, Dietmar Friedrich, Dieter Nern, Ortwin Schneider
(Vorne v.l.): Dominik Schreier, Luisa Friedrich, Sophia Friedrich

 Zu dieser Tour gibt es einen Bericht von Hans Heinrich Pardey, der am  12.10.1999 in der FAZ erschienen ist:

Drahtlos an der langen Leine
Warum man heute nur noch mit dem Handy in der Trikottasche radeln kann / Von Hans-Heinrich Pardey

Was ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand, wenn man zu einer Radtour übers lange Wochenende aufbricht? Richtig geraten: nicht die Regenhaut und nicht der Hirschtalg, sondern das Taschentelefon. Ohne Handy rollt gar nichts und fast niemand mehr. Dieses Phänomen ist keineswegs auf Jungdynamiker beschränkt, die immerfort an allen möglichen Termin- und sonstigen Börsen mitzocken. In einer Runde gestandener Familienväter, die nur von Donnerstag bis Sonntag Haus und Hof, Kleinkram und Kinder in der Obhut ihrer besseren Hälften zurücklassen, haben wir mal abgezählt: Dreizehn Mann hatte die Altherren-Riege, nur fünf von ihnen waren ohne Mobilfunk unterwegs. Man begreift nicht, dass jemals Mutige an der Altmühl hinabgeradelt sind, ohne drahtlosen Anschluss in der Trikottasche.

Mehr als damals, als es noch ohne Handy ging, erfordern scheint's die daheim zurückgelassenen Problemchen genauso wie die Lieben der Familie mobil-telekommunikative Zuwendung. Das, was die Telekom ihren Service nennt, ist bekanntlich nur durch das Dauerfeuer der Wahlwiederholungstaste zu erreichen. Tja, und dann steht man eben im Angesicht schönsten oberschwäbischen Barocks. Man ist endlich zu einem - allerdings wiederum nicht zuständigen - menschlichen Wesen im magenta-grauen Dschungel vorgedrungen. Und nun muss man ohne schuldhaftes Zögern unter einer der lieblichsten Madonnen des Donautals die Details des verflixten ISDN-Anschlusses daheim ins Handy trompeten.

Zugegeben vermag das Taschentelefon einen gewissen Nutzen zu entfalten: Den einen erreicht schon nach wenigen Kilometern die Nachricht von der plötzlichen Operation der Gattin. Hartherzig, wer den sofortigen Abbruch der Tour und die Rückkehr ans Krankenbett der Frau nicht versteht. Doch - so viel Skepsis muss erlaubt sein - hätte den Gatten in der handylosen Zeit die Nachricht wohl auch erreicht, nur um weniges später. Frisch gestärkt von ein paar Urlaubstagen, hätte er sich den Weiterungen des Krankenhausaufenthalts daheim zuwenden können. Heute reißt ihn das Piepsen brutal aus allen eigenen Absichten heraus und stellt ihn umgehend in die neue Situation. Das Leben ist eben schneller geworden.

Wenn man in einer Gruppe radelt, besteht auch auf einem vorzüglich beschilderten und ständig mehr oder weniger am Wasser entlangführenden Weg die Gefahr, sich zu verfahren. Einmal nicht aufgepasst, schon sorgt der reinste Slapstick für Unterhaltung. Der halbe Handy-Dialog: "Wo seid ihr?" "Ihr könnt nicht vor uns sein! Also, wir stehen hier jetzt auf einer Brücke. Seid ihr über die schon hinüber? Nein, ein Ortsschild ist hier nicht." "Ihr seid doch vor uns?"

Wie gut, dass nicht nur Menschen in Not ein Handy haben, sondern auch die Nothelfer! Achsenbruch, die Pannenradler sprechen am Samstagnachmittag beim Fahrradhändler vor. Der aber ist nicht daheim, als Nebenerwerbslandwirt erntet er gerade draußen auf dem Acker Mais - auf dem Schlepper begleitet vom Handy. Fleißig weiter Mais erntend, dirigiert er die mit Fahrradtechnik weniger vertraute Frau an die Schublade seines Ersatzteillagers und versorgt sie auch noch mit dem richtigen Preis. Was anders eine kleine Katastrophe hätte werden können, wird mit einem Anruf geregelt: "Könnten Sie mir bitte mein Ladegerät nachschicken? Das habe ich heute morgen im Hotelzimmer liegen gelassen. Vielen Dank, ich gebe Ihnen mal die Adresse durch . . ." Das ist ja noch einmal gut gegangen, gelobt sei das Handy. Allerdings hätte man natürlich auch kaum ein Ladegerät liegen gelassen, wenn man es nicht zur Versorgung des Handys hätte mitnehmen müssen.
 
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999, Nr. 237, S. T6)