Radtouren

 Radtouren TUS Vollnkirchen 

 Radtouren TUS Stand 2017 800
Die Nummern in der Karte geben die entsprechende Tour Nummer an und kennzeichnen den jeweiligen Startort. Weitere Details zu den Touren gibt´s in der jeweiligen Tourbeschreibung unter dem Menüpunkt Radsport/Radtouren.
Eine Übersicht über die Touren + Karte steht auch als PDF-Datei zum Download bereit, entweder auf die Karte klicken oder hier: Übersicht-Radtouren
 

 

Die Radfahraktivitäten gehen auf eine Initiative von Volker Engel zurück, der Anfang der 1990er Jahre nach Vollnkirchen kam. Nach einer Radtour und anschließendem Besuch im Sportlerheim im Sommer 1992 war die Radfahrgruppe gegründet……

Volker Engel war es auch, der zwei Jahre später die Idee zur ersten Tour hatte und diese komplett durchorganisierte. Damals wurden die Fahrräder noch mit der Bahn vorausgeschickt und standen am Zielbahnhof bereit als die Radler eintrafen. Heute geht es -meist von Gießen aus- direkt mit Rad und Gepäck in den Zug. Mit dabei ist auch immer ein Eimer mit heißer Fleischwurst. Das anschließende Frühstück im Zug ist der erste Höhepunkt der Tour. Das Verladen der Räder und Satteltaschen wurde über die Jahre derart optimiert, dass selbst kürzeste Umsteigezeiten kein Problem mehr darstellen. Auf der Niederrheintour 2007 blieb der „mittelhessischen Eingreiftruppe“ so noch genügend Zeit nebenbei einen flüchtigen Schwarzfahrer dingfest zu machen…..

Überhaupt gab es auf den Zugfahrten jede Menge schöne Erlebnisse, die hier gar nicht alle Erwähnung finden können. Zu den kuriosesten Ereignissen gehören wohl ein plattgefahrener Reifen im Zug und das plötzliche „Herabfallen“ einer Notbremse kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof Halle ….

Und lehrreich waren die Fahrten auch. So lernt man zum Beispiel, dass der Kauf eines Kasten Bier im Zug sehr kostspielig ist und man sich besser zu Hause mit ausreichend Proviant eindeckt. Aber auch die mitreisenden Fahrgäste haben viel gelernt. Zumindest wissen sie jetzt wo Vollnkirchen liegt und dass man da einmal im Jahr mit „Rrrn“ auf große Tour fährt. Viele versuchten zu ergründen, wo wir herkommen als sie unseren „R-Gesprächen“ lauschten. „Seid´s ihr Engländer oder was ?“ war eine häufig gestellte Frage.

Aber auch von unterwegs auf der Strecke gibt es viele Anekdoten zu erzählen. Die Tour mit dem wohl höchsten Erinnerungswert ist dabei der Elberadweg von 2000. So verirrte sich die Truppe auf Nahrungssuche in das kleine Städtchen Mühlberg in Brandenburg. Das mühevoll organisierte Mittagessen wurde jedoch mit vielfacher Verwunderung eingenommen. Man sollte halt wissen, dass in Brandenburg ein Jägerschnitzel gleichbedeutend mit einer gebratenen Scheibe Jagdwurst ist. Die Gesichter von einigen wirklich hungrigen Radfahrern muss man gesehen haben…..

In Torgau aber dann die absolute Überraschung; eine Kneipe mit „Licher Bier“ im Ausschank. Wie es der Umstand erforderte ist die komplette Mannschaft im einheitlichen Licher-Outfit dort eingerückt. Auf Initiative eines Teilnehmers wurde sich als Mitarbeiter der Licher-Brauerei, mit dem Auftrag das Bier zu testen, ausgegeben. Klasse Idee, es gab einige Runden auf den Wirt und im Gegenzug eine gute Bewertung!

Auf den ersten Touren wurden auch Traditionen geboren, die bis heute Bestand haben, wie z.B. die Kaffeepause am Nachmittag um „Zwetschekuche“ mit Sahne zu essen. Den zweifelsohne schönsten Zwetschenkuchen gab es 1996 in Wahren an der Müritz im renommierten Hotel Ecktannen. Der wurde auf einem edlen XXXL-Teller serviert und war mit Johannisbeeren und Sahne garniert. Das Hotel, schon zu DDR-Zeiten ein Aushängeschild und Herberge für viele Staatsgäste, war auch für die TUS Radler das absolut passende, wenngleich denen beim Eintreffen am frühen Abend nicht so viele Sympathien entgegen schlugen. Das mag vielleicht an der schlichten Reisemontur gelegen haben, als sich die Truppe der feineren Gesellschaft näherte um den Kult-Zwetschenkuchen zu verspeisen……

In über 20 Jahren Radtouren beim TUS hat sich vieles weiter entwickelt. Dies zeigt sich insbesondere an Ausstattung und Material. Während die ersten Touren noch mit „Gold-Rädern“ aus Stahl, die allenfalls über eine 5-Gang Nabenschaltung verfügten, absolviert wurden, folgte bald der Umstieg auf stabile Trekking- und Tourenräder oder Mountainbikes. Alurahmen, 21-Gang-Ketteschaltung, Federgabeln gehören heute zur Grundausstattung. Auch das Zubehör hat sich immer weiter verbessert; wasserdichte Packtaschen, Funktionsbekleidung und GPS-Empfänger zur Navigation sind die weiteren Meilensteine dieser Entwicklung.

Aus einer Zeit als technische Erneuerungen gerade Einzug bei den TUS Radlern hielten, stammt der von Hans-Heinrich Pardey verfasste Artikel, der am 12.10.1999 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter dem Titel Drahtlos an der langen Leine- Warum man heute nur noch mit dem Handy in der Trikottasche radeln kann“ erschienen ist. Der Autor fragt darin: „Was ist der wichtigste Ausrüstungsgegenstand, wenn man zu einer Radtour übers lange Wochenende aufbricht? Richtig geraten: nicht die Regenhaut und nicht der Hirschtalg, sondern das Taschentelefon. Ohne Handy rollt gar nichts und fast niemand mehr. Dieses Phänomen ist keineswegs auf Jungdynamiker beschränkt, die immerfort an allen möglichen Termin- und sonstigen Börsen mitzocken. In einer Runde gestandener Familienväter, die nur von Donnerstag bis Sonntag Haus und Hof, Kleinkram und Kinder in der Obhut ihrer besseren Hälften zurücklassen, haben wir mal abgezählt: Dreizehn Mann hatte die Altherren-Riege, nur fünf von ihnen waren ohne Mobilfunk unterwegs. Man begreift nicht, dass jemals Mutige an der Altmühl hinabgeradelt sind, ohne drahtlosen Anschluss in der Trikottasche.“

Ein Handy im Radtrikot zu haben ist äußerst nützlich, denn „wenn man in einer Gruppe radelt, besteht auch auf einem vorzüglich beschilderten und ständig mehr oder weniger am Wasser entlangführenden Weg die Gefahr, sich zu verfahren. Einmal nicht aufgepasst, schon sorgt der reinste Slapstick für Unterhaltung. Der halbe Handy-Dialog: "Wo seid ihr?" "Ihr könnt nicht vor uns sein! Also, wir stehen hier jetzt auf einer Brücke. Seid ihr über die schon hinüber? Nein, ein Ortsschild ist hier nicht." "Ihr seid doch vor uns?"

Mobil erreichbar zu sein war auf dieser Tour aber noch von großem Nutzen. Nach einem Achsenbruch steuern die Pannenradler am Samstag Nachmittag einen örtlichen Fahrradladen an. Der Inhaber ist aber nicht anwesend, da er als Nebenerwerbslandwirt gerade auf dem Schlepper sitzt und Mais hächselt. Zum Glück hatte er aber sein Handy dabei und konnte so vom Acker aus die in Sachen Fahrradreparatur wenig versierte Ehefrau zur richtigen Schublade seines Ersatzteillagers dirigieren.

Auch die sportlichen Leistungen haben sich über die Jahre weiter entwickelt. In den Anfangsjahren waren die Tagesetappen wesentlich kürzer, so dass noch alle 10 km eine Pause eingelegt wurde um 10 Liegestütze zu machen.

Glücklicherweise kam es bei 21 TUS-Touren zu keinen größeren Unfällen oder Verletzungen. Der ein oder andere Auffahrunfall beim Fahren in Kolonne ließ sich nicht vermeiden, die wenigen Stürze verliefen aber alle glimpflich und gingen allenfalls mit leichten Abschürfungen und Blessuren von statten. Technische Pannen hingegen gab es des Öfteren, bis hin zu Achs- und Speichenbrüchen. Zu einer Häufung der Ereignisse kam es 2012 bei der Donautour, als es allein an einem Tag drei Speichenbrüche, einen geplatzten Mantel und eine verklemmte Schaltung zu reparieren gab.

2000 an der Elbe kam es auch vor, dass sich ein Teilnehmer sein Rad nach einer Panne instand setzen ließ um es dann in Zahlung zu geben und sich spontan ein Neues kaufte.

Von einem gewissen anekdotischen Wert sind auch die Geschehnisse auf der ersten Donautour 1999: Den ersten nennenswerten Schaden gab es unmittelbar am Bahnhofsgelände, resultierend aus einer viel zu niedrigen Unterführung, deren Deckenhöhe beim Durchfahren von einem Teilnehmer komplett überschätzt wurde. Die Folge: schwere und anhaltende Kopfschmerzen, die auch beim anschließenden Aufenthalt in einem Brauereigasthof nicht sofort gelindert werden konnten. Am zweiten Tag wieder ein Schaden, die Schnelldiagnose diesmal: defektes Tretlager. Glücklicherweise gab es auf der Strecke eine Kfz- und Zweiradwerkstatt. Alle Fachleute widmeten sich dem Dilemma, aber konnten keine Lösung des Problems finden. Der Seniorchef, bestimmt schon seit 10 Jahren in Rente, musste eingreifen und entdeckt das am Schutzblech anschlagende Pedal als Ursache der Klackergeräusche….

Bei der Tour durch die Pfalz 1998 führte die Route erstmals auch ins benachbarte Ausland. Die Übernachtung im französischen Lauterbourg war jedoch nicht jedermanns Geschmack. Geschlafen wurde im Doppelbett mit einer Zudecke, was dem einen oder anderen nicht behagte. Die nächste Katastrophe ereignete sich dann beim Frühstück, als die mittelhessischen Wurstesser nur Croissants, Baguette und Marmelade vorgesetzt bekamen. Seitdem wurden Grenzübertritte bei der Tour tunlichst vermieden. Lediglich am Niederrhein 2007 wurde die Grenze zu den Niederlanden mehrfach überfahren, allerdings ohne es zu merken, und 2014 führte eine kurze Passage entlang der Schweizer Seite des Rheins.